Berlinale 2014

Filmkritik: The Grand Budapest Hotel

The Grand Budapest Hotel

Stets akkurat gekleidet und in eine Parfumwolke gehüllt, sorgt der gewissenhafte Concierge Monsieur Gustave, gespielt von Ralph Fiennes, für das Wohl der Gäste und das tadellose Image des Grand Budapest Hotels. Dabei gilt seine Leidenschaft den betagten und wohlhabenden Damen, die im Hotel longieren und die er mit antiquierter Sprache zu umgarnen weiß, wofür er auch gerne pathetische Gedichte rezitiert. Die heile Hotelwelt gerät jedoch aus den Fugen, als eine seiner ältesten Verehrerinnen Madame D. (Tilda Swinton) umgebracht wird und er in den Erbschaftsstreit um Anwesen und Vermögen der alten Dame verwickelt wird. Immer an seiner Seite ist Lobbyboy Zero, der ihm treu ergeben durch allerlei komplizierte Wendungen folgt. Die abstruse Geschichte spielt zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in einem fiktiven osteuropäischen Land und durchbricht damit die märchenhafte Idylle, die das rosafarbene Hotel in seiner Puppenhaus-Ästhetik ausstrahlt. Edward Norton als SS-Offizier mit Gerechtigkeitssinn (wobei Anderson die Parabel auf die Schutzstaffel mit der Abkürzung „ZZ“ andeutet) und Willem Dafoe als Auftragskiller mit Vampirzähnen, sind neben dem geldgeilen Sohn von Madame Di, gespielt von Adrien Brody mit exzentrischem Dalн-Bart, nur ein paar der herrlich abstrusen Charaktere, die den Film beleben.
In typischer Anderson-Manier zeigt der diesjährige Eröffnungsfilm der Berlinale eine temporeiche Katz und Maus Jagd vor bizarrer Kulisse, die ihren ganz eigenen Charme besitzt und durch skurrile Details begeistert. Gleichzeitig präsentiert Anderson mit „Grand Budapest Hotel“ einen Film, der beschwingt von Loyalität, Freundschaft und Liebe erzählt.

Text: Lea Brinkschulte

Foto: 2013 Fox Searchlight

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The Grand Budapest Hotel, Großbritannien/Deutschland 2014; Regie: Wes Andersen; Darsteller: Ralph Fiennes, Tony Revolori, F. Murray Abraham, Mathieu Amalric, Adrien Brody; 100 Minuten

Weitere Termine:
Fr 07.02., 12.00 Uhr: Friedrichstadtpalast
Fr 07.02., 18.00 Uhr: Friedrichstadtpalast
Fr 07.02., 19.00 Uhr: Haus der Berliner Festspiele
Sa 08.02., 21.30 Uhr: Eva Lichtspiele

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