Berlinale 2014

Filmkritik: Historia del miedo

Historia del miedo

„In letzter Zeit passieren komische Sachen“, heißt es an einer Stelle im argentinischen Wettbewerbsbeitrag „Historia del miedo“. Ja, irgendetwas stimmt nicht: Ein rätselhaftes Loch wird im Zaun einer sogenannten Gated Community in der Nähe von Buenos Aires gefunden. Rauchschwaden verbrannten Mülls liegen in der Luft. Das Auto eines Wachmannes wird beworfen. Ein junger Mann macht in einem Fast-Food-Restaurant seltsame, akrobatische  Verrenkungen. Immer wieder gibt es Stromausfälle. Zunächst hat man dabei noch den Eindruck, als würde Benjamin Naishtat in seinem Regiedebüt nur leicht überzeichnete Vignetten eines graduell aus der Normalität geworfenen Alltags entwerfen. Dann allerdings kristallisieren sich mit der Zeit aber doch einige Protagonisten heraus, die in verschiedenen Klassen der auseinanderdriftenden, argentinischen Gesellschaft leben: Das eine ist eine Familie aus einfachsten Verhältnissen, die andere ist wohlhabend und hat sich in besagter Gated Community abgeschottet. Es soll Naishtat in seinem Film unter anderem um eine Verunsicherung gehen, die im Zuge der argentinischen Wirtschaftskrise vor einigen Jahren geschürt wurde. Um die in „Historia del miedo“ zu erzeugen, streut er zwar wiederholt Irritationen und Indizien ein. Spürbar wird die Angst- und Paranoia-Atmosphäre dieses Filmes allerdings nicht, zu dessen Figuren man in kurzen, langen 79 Minuten keine Verbindung findet und der beinah selber so verschlossen wirkt wie die Gesellschaft, von der er erzählt.

Text: Sascha Rettig

Foto: Courtesy of Visit Films

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Historia del miedo, Argentinien/Uruguay/Deutschland/Frankreich 2014; Regie: Benjamin Naishtat; Darsteller: Jonathan Da Rosa, Cйsar Bordуn, Mara Bestelli, Claudia Cantero; 79 Minuten

Weitere Termine:
Mo 10.02., 13.00 Uhr: Zoo Palast
Mo 10.02., 15.00 Uhr: Friedrichstadtpalast
Mo 10.02., 19.00 Uhr: Haus der Berliner Festspiele

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