Berlinale 2014

Filmkritik: La tercera orilla

La tercera orilla - Berlinale 2014

Wie wird man zum Mann, heute, mitten in der argentinischen Provinz? Nicolбs ist 17, der Älteste von drei Kindern, die seine Mutter von Jorge hat. Jorge ist ein  geachteter Arzt, ein bulliger Kerl und ständig unter Strom. Eine verantwortungsvolle Arbeit reicht ihm nicht – er führt auch die von seinem Vater geerbte Rinderfarm weiter. Damit nicht genug hat sich Jorge eine zweite Familie zugelegt mit einem weiteren Sohn, und die steht finanziell weitaus besser da.  Warum?

Lange hat Nicolбs das Doppelleben seines Vaters nur beobachtet, nun beginnt er es zu hinterfragen. Denn Jorge will für zwei Wochen verreisen und der Älteste soll ihn auf der Farm vertreten. Gleichzeitig hat er Nicolбs ein Praktikum an seiner Klinik verschafft, damit der Junge die richtigen Kontakte für später knüpft, wenn er selber mal Arzt sein wird. Doch will Nicolбs überhaupt in die väterlichen Fußstapfen treten? Zunächst, geschmeichelt von der neuen Aufmerksamkeit des Vaters, mag ihn die Idee verführen. Er mag die Fahrten im Pick-up, die Gespräche und das Gelächter trunkener Männerrunden. Doch statt ersehnter Vater-Sohn-Gespräche konfrontiert ihn Jorge mit Besuchen bei Prostituierten, dem Töten eines verletzten Tieres.

Bereits in „Una semana solos“ analysierte die argentinische Regisseurin Celina Murga die argentinische Gesellschaft aus Sicht von Kindern und Halbwüchsigen. In „La tercera orilla“ fokussiert sie sich auf Nicolбs und wie er sich mit wachsendem Selbstbewusstsein durch die unterschiedlichen Lebenswelten seines Vaters tastet. Vielleicht schlüpft Laiendarsteller Alian Devetac zu perfekt in Nicolбs‘ introvertiertes Naturell , denn lange wirkt er nur wie ein typischer Halbwüchsige, der tranig durchs Szenario schleicht und erst dann Kontur gewinnt, wenn er sich für seine jüngeren Geschwister einsetzt. Es dauert, bis sich seine Gemütslage offenbart, sich nach zahllosen Großaufnahmen der blasse Blick mit Tränen füllt und Nicolбs bereit ist für seinen Befreiungsschlag.

Text: Cristina Moles Kaupp

Foto: Tresmilmundos Cine

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The Third Side of the River (La tercera orilla), Argentinien/ Deutschland/ Niederlande 2014, Regie: Celina Murga, Darsteller: Aliбn Devetac, Daniel Veronese, Gaby Ferrero, Irina Wetzel, 92 Minuten

Weitere Termine:

Do 13.02., 13:00 Uhr: Zoo Palast 1

Do 13.02., 15:00 Uhr: Friedrichstadt-Palast

Do 13.02., 22:30 Uhr: International

So 16.02., 17.30 Uhr: Zoo Palast 2

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