Berlinale 2014

Filmkritik: La voie de l\ennemi

La voie de l'ennemi

Emily Smith (Brenda Blethyn) hockt auf einer Veranda in New Mexiko. Es ist nachts, rings um sie nichts als Wüste. Gedankenverloren poliert die kernige Frau ihren Revolver, während aus dem Haus ein französischer Chanson dringt. Eine Szene, die zu den wenigen gelungen Darstellungen personeller Komplexität zählt, um welche sich Regisseur Rachid Bouchareb in seinem Film „La voie de l’ennemi“ („Two Men in Town“) doch sehr bemüht. Denn anhand ihrer versucht er das Dilemma aufzuzeigen, in dem sich sein Hauptprotagonist William Garnett (Forest Whitaker) befindet – ein Ex-Häftling, der in seiner 18-jährigen Haft zum Islam übergetreten ist und mit 3000 US-Dollar ein neues Leben beginnen möchte; einen Neuanfang wagen, dem ihm nicht alle einräumen. Von dem Geld kauft er sich als erstes ein Motorrad: Freiheitsgefühle auf dem Highway, ein weiter Horizont, die Sonne verschmilzt beim Untergang mit dem kargen Sandboden. Doch Verlockungen in Form alter Verbindungen zum Untergrund locken und ein strammer Sheriff misstraut Williams Metamorphose. Bewährungshelferin Emily Smith hingegen versucht ihren Glauben an das Gute im Menschen mittels William zu verteidigen. Und so verfolgt in „Two Men in Town“ jeder seine eigene, etwas infantile Agenda – wie es 1973 bereits Jean Gabin und Alain Delon im gleichnamigen Film von Josй Giovanni getan haben. Die Verlegung in den Südwesten der USA mit Afghanistan-Heimkehrern und mexikanischen Flüchtlingen schenkt dem Drehbuch jedoch trotz politischer Aktualität nicht das, was dringend gebraucht hätte: Feinfühligkeit fernab von Sentimentalität.

Text: Carolin Weidner

Foto: Gregory Smith / Thessalit-Pathй

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La voie de l’ennemi (Two men in town); Frankreich/Algerien/USA/Belgien 2013; Regie: Rachid Bouchareb; Darsteller: Forest Whitaker, Harvey Keitel, Brenda Blethyn; 120 Minuten

Weitere Termine:
Sa 08.02., 09.30 Uhr: Haus der Berliner Festspiele
Sa 08.02., 12.00 Uhr: Friedrichstadtpalast
Sa 08.02., 21.00 Uhr: Friedrichstadtpalast

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