Berlinale 2014

Filmkritik: „Macondo“ von Sudabeh Mortezai

/Macondo_c_Freibeuter_FilmDer elfjährige Ramasan (Ramasan Minkailov) lebt mit seiner Mutter Aminat (Kheda Gaznieva) und den kleineren Schwestern in Macondo, einem der ältesten Flüchtlingssiedlungen Österreichs am Rand von Wien. Die Mutter begleitet er auf die Ämter, wo ihnen mitgeteilt wird, dass ohne Beweis für den Kriegstod des Vaters in Tschetschenien das Asylverfahren in der Schwebe bleibt.

Die Kamera immer auf Augenhöhe, begleitet der quasi-dokumentarische, mit den Macondo-Bewohnern gemeinsam entwickelte Film seinen taffen kleinen Protagonisten, dessen Fußballspiel zum Niederknien ist. Zu Hause betreut er die Kleinen, mit den Kumpels zieht es ihn zu gefährlichen Streichen, die Mutter beobachtet er eifersüchtig. Als Isa (Aslan Elbiev) in die Siedlung zieht, ein versehrter Kriegskamerad des Vaters, wird er vor eine schwere Probe gestellt. Aus Gesprächen der Erwachsenen muss Ramasan schließen, dass der idealisierte Vater vielleicht doch nicht der Held war, dem der kindliche Macho
nacheifern möchte.

„Macondo“ umschifft alle Klischees üblicher Flüchtlingsgeschichten und erzählt angenehm unsentimental vom Noch-nicht-Erwachsensein zwischen traditionellen patriarchalen Leitbildern und den Anforderungen seines Ankunftslandes.

Text: Claudia Lenssen

FotoFreibeuter Film

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Macondo Östereich 2014, R/B: Sudabeh Mortezai, Darsteller: Ramasan Minkailov, Aslan Elbiev, Kheda Gazieva, 98 Minuten

Weitere Termine

Sa 15.02., 09:30: Zoo Palast 1 (D, E)

Sa 15.02., 16:00: Haus der Berliner Festspiele (D, E)

Sa 15.02., 18:30: Friedrichstadt-Palast (D, E)

So 16.02., 22:30: International (D, E)

 

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