Berlinale 2014

Filmkritik: Nymphomaniac, Part I von Lars von Trier

Nymphomaniac

Wie man sich in Zeiten des medialen Overkills Aufmerksamkeit sichert, weiß kaum jemand besser als Lars von Trier. In den 1990ern machte der Regisseur mal eben das dänische Kino per Manifest zum Maß aller Filmdinge, 2011 lobte er vermeintlich Hitler, und vor Jahren schon raunte er, er arbeite an einer Kopulations-Orgie. So, so. Nun präsentierte von Trier auf der Berlinale den ersten Teil seines Director’s Cut von „Nymphomaniac“.
Ein Porno? Irgendwie schon, nur womöglich anders als man denkt. Zwar fließen in dem Epos ausreichend Körpersäfte, der eigentliche Exhibitionismus aber findet woanders statt: in der seelischen Selbstentblößung der sexsüchtigen Hauptfigur Joe (Charlotte Gainsbourg), die einem zufälligen Fremden (Stellan Skarsgard) ihre Lebensgeschichte beichtet; im quälend lang inszenierten Ende einer Ehe; im kein Detail aussparenden Todeskampf von Joes Vater. Verglichen damit, sind die erigierten Penisse Ausdruck dezenter Filmkunst. Von Triers Themen sind die alten: Schuld, Sühne, Gott und Tod, Aufopferung, Leiden und Sucht. Und das bisweilen klug und witzig, manchmal kaum erträglich und immer schonungslos drastisch. Teil II folgt im Laufe des Jahres. Man darf vermuten: Auch er wird von Trier und uns keine Erlösung bringen.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Christian Geisnaes

Der Film läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz.

Nymphomaniac, Dänemark/Deutschland/Frankreich/Belgien/Schweden; Regie: Lars von Trier; Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgard, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Christian Slater; 145 Minuten

Weitere Termine:
Mo 10.02., 12.00 Uhr: Friedrichstadtpalast
Mo 10.02., 21.30 Uhr: Haus der Berliner Festspiele
So 16.02., 21.00 Uhr: Berlinale Palast

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