Berlinale 2014

Filmkritik: Praia do Futuro

Praia do Futuro

Praia do Futuro ist ein gefährlicher Strand, Touristen unterschätzen ihn bisweilen und sterben dann in den Wellen. Der Berliner Motorcross-Fahrer Konrad verliert seinen Freund an das Meer, doch die Trauer verfliegt noch auf der Fahrt vom Krankenhaus zurück ins Hotel. Am Straßenrand vögelt er im Auto den brasilianischen Rettungsschwimmer Donato, der in der Affäre auch umgehend das schlechte Gewissen ob seines gescheiterten Rettungsversuchs vergessen kann. Die beiden verlieben sich ineinander und Donato folgt Konrad nach Berlin. Hier ist es kalt und es gibt kein Meer, und doch taucht der von seinem kleinen Bruder Ayrton als Aquaman verehrte Donato fortan in den Straßen der „Unterwasserstadt“, während sein Bruder in der alten Heimat zurückbleibt. Nach Jahren fordert seine Entscheidung ihren Tribut, als der inzwischen erwachsene Ayrton vor der Tür steht und eine Antwort verlangt.
Der in Berlin lebende Brasilianer Karim Aпnouz versucht in „Praia do Futuro“ mit mal wuchtigen, mal elegischen Bildern eine Stimmung von rauschafter Verlorenheit zu erzeugen. Berlin dient ihm dabei durch Underground-Club-Kulisse, verbaute Plätze im Niemandsland und explizite Homoerotik als Baseline der Entgrenzung. Das Spielen mit dem Ungesagten und der angestrengt existentialistische Ton, den Aпnouz bemüht ist, seiner Wahlheimat abzutrotzen, bewirken leider, dass man zu den handelnden Figuren keinen Zugang findet. Jenen Sog, den Aпnouz der Stadt unterstellt, entfaltet der Film gerade nicht.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin

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Praia do Futuro, Brasilien / Deutschland 2013; Regie: Karim Aпnouz; Darsteller: Wagner Moura, Clemens Schick, Jesuita Barbosa; 109 Minuten

Weitere Termine:
Mi 12.02., 09.00 Uhr: Haus der Berliner Festspiele
Mi 12.02., 18.00 Uhr: Friedrichstadtpalast
Mi 12.02., 22.30 Uhr: International
So 16.02., 12.30 Uhr: Berlinale Palast

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