Berlinale 2014

Filmkritik: Tui na – Blind Massage

Tui na (Blind Massage) Berlinale 2014

Die blinden Masseure Doc Wang und Sha Fuming leiten ein lukratives Massagezentrum in Nanjing und leben mit ihren ebenfalls blinden Mitarbeitern. in einer Wohngescheinschaft zusammen. Eines Tages kommt ein neues Paar zu der Gruppe hinzu und das fragile Gleichgewicht zwischen den vom Schicksal markierten Männer und Frauen gerät aus dem Gleichgewicht, lässt geheime Wünsche und Begierden aufbrechen und löst existentielle Fragen aus. Was ist Schönheit, fragen sich so die blinden Männer, wie kann man sie erfahren, ertasten, erschnuppern? Oder ist Schönheit nicht einfach nur wie Schweinegulasch, wie einer der Masseure vorschlägt.

Mit seinem zum Teil mit blinden Laiendarstellern gefilmten Melodrama hat sich Lou Ye, der vor Jahren für seine regimekritischen Filme u.a. in Cannes zu Ehren kam und von der chinesischem Regierung prompt mit einem fünfjährigen Drehverbot belegt wurde, anscheinend endgültig von seinen gesellschaftskritischen Ansprüchen verabschiedet. Die scheinbar endlose Geschichte, deren linear fortschreitenden Episoden von Lust, Leid und sexueller Frustration der alleinstehenden blinden Masseure und Masseusen im off weiterleitend kommentiert werden, zieht sich trotz ständiger hektischer Kameraschwenks zähflüssig und qualvoll von einem Minidrama zum anderen hin,  während ab und an mit Weichzeichnern verschwommene Bilder, wohl die mangelnde Sehschärfe der Protagonisten evozieren sollen.

War es nicht letztendlich nicht doch besser , als er noch blind war, fragt sich zum Schluss ein auf wundersame Weise wieder zum Sehenden gewordener Protagonist, Vielleicht hätten wir als Zuschauer während des Films auch besser die Augen geschlossen gehalten.

Text: Barbara Lorey

Foto: Travis Wei

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Tui na (Blind Massage), China/Frankreich, 2014, Regie: Lou Ye, Darsteller: Xiaodong Guo, Hao Qin, Lei Zhang, 114 Minuten

Weitere Termine:

Di 11.2., 9.30 Uhr: Friedrichstadt-Palast

Di 11.2., 12.00 Uhr
: Haus der Berliner Festspiele

Di 11.2., 18:00 Uhr: Friedrichstadt-Palast

So 16.2., 18.30 Uhr
: Haus der Berliner Festspiele

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