Berlinale 2014

Filmkritik: Wu Ren Qu (No Man’s Land) von Ning Hao

China_Film_CompanySo der Held von Ning Haos „Wu Ren Qu“ zu Beginn. Die darauffolgende Geschichte illustriert, ebenso drastisch wie moralisch, was gemeint ist. Pan Xiao ist ein junger überheblicher und skrupelloser Anwalt, der in irgendeinem Kaff in irgendeiner entlegenen Wüstenprovinz den Freispruch eines Falkenschmugglers erwirkt und auf dem Rückweg in die Großstadt in Schwierigkeiten epischen Ausmaßes gerät. Die stilistischen Anleihen die der Film beim Italowestern nimmt, sind von der ersten spektakulären Totale, von der ersten Nahaufnahme schwerer Stiefel und vom ersten glasklaren Trompetenton an unübersehbar.

Eine Weile sieht es aufgrund der sich überschlagenden, grotesken Ereignisse so aus, als habe man es mit einer Persiflage oder doch zumindest ironisierenden Genre-Aneignung zu tun. Dann aber verändert „Wu Ren Qu“ allmählich die Tonlage. Bei gleichbleibender Geschwindigkeit wird es bitterernst, in die Groteske schleicht sich etwas Surreal-Albtraumhaftes. Ning Hao – der 2005 mit „Mongolian Ping Pong“ im Forum vertreten war – beherrscht seine Mittel souverän und liefert ein wunderbares Beispiel für die hohe Kunst der Inszenierung eines Genrefilms: Er erteilt dem Helden eine Lektion in Humanität und Verantwortung, während er das Publikum nachhaltig beunruhigt und zugleich meisterlich unterhält.

Text: Alexandra Seitz

Foto: China Film Company

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„Wu Ren Qu“ (No Man’s Land), Regie: Ning Hao; Darsteller: Xu Zheng, Yu Nan, Huang Bo; 117 Minuten

Weitere Termine

Fr 14.02., 09:30: Friedrichstadt-Palast (D, E)

Fr 14.02., 13:00: Zoo Palast 1 (D, E)

Fr 14.02., 22:30: International (D, E)

So 16.02. 12:00: Friedrichstadt-Palast (D, E)

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