Berlinale 2014

Im Wettbewerb: „Zwischen Welten“ von Feo Aladag

Zwischen Welten

Ende Februar läuft das aktuelle ISAF-Mandat für Afghanistan aus, in den kommenden Monaten werden die deutschen Truppen das Land verlassen und der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr, an dem über 120?000 Soldaten und Soldatinnen beteiligt waren und bei dem 54 ihr Leben ließen, wird zu Ende gehen. Wird er sich gelohnt haben? Wird er hilfreich gewesen sein?
Fragen, die Feo Aladag bei der Entwicklung von „Zwischen Welten“, einem von vier deutschen Beiträgen im Wettbewerb der Berlinale, umgetrieben haben. „Ich denke, dass wir als Gesellschaft, die diesen Einsatz ja über die Erteilung des Mandats jahrelang mitgetragen haben, verantwortlich sind gegenüber den Menschen, die das für uns da draußen wiederum verantworten“, erläutert Aladag telefonisch, während sie im Tonstudio mit dem Feinschliff ihres Films beschäftigt ist, ihre Motivation. Und weiter: „Die Verantwortung, die wir als Gesellschaft für unsere Soldaten haben, haben wir auch für jene Länder, in denen wir im Einsatz sind oder mit denen wir zusammenarbeiten. Ganz konkret eben auch für jene afghanischen Mitarbeiter, die den Einsatz auf deutscher Seite unterstützen. Und die natürlich – wie unsere Soldaten auch – alle möchten, dass ihre Arbeit einen Sinn hat, dass sie nicht umsonst war.“
„Zwischen Welten“ erzählt von einer Gruppe deutscher Soldaten, die an einem Außenposten in einem kleinen Dorf verbündete afghanische Milizen gegen den wachsenden Einfluss der Taliban in der Region unterstützen soll. Die ohnehin angespannte Lage kompliziert sich, weil der den Deutschen zur Seite gestellte junge Dolmetscher Tarik von Islamisten bedroht wird. Tarik will seine Schwester aus der Stadt zu sich holen, um sie vor Übergriffen zu schützen. Darüber gerät der verantwortliche Hauptmann Jesper in einen unlösbaren Konflikt zwischen seinem Gewissen und seinen Befehlen.
Weil Aladag „die Arbeit der Soldaten mit dem größtmöglichen Grad an Authentizität abbilden“ wollte, gingen die deutschen Schauspieler noch in Deutschland durch ein Bootcamp, „das ihnen dabei half, eine Gruppe zu bilden“ und in dem ihnen Körper- und Zeichensprache, Befehlstermini, Haltung und Bewegung einer militärischen Einheit vermittelt wurden.
Gedreht wurde „Zwischen Welten“ dann an Originalschauplätzen in Kunduz und Mazar-i Sharif zum Teil mit afghanischen LaiendarstellerInnen. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Institutionen war, man kann es sich denken, nicht immer einfach. Die Regisseurin erzählt: „Ich glaube, man muss immer unterscheiden – und man sieht das dann ja auch im Film – zwischen dem Verhalten, dem Einsatz oder der Leistung des Einzelnen und der Institution, aus der dieser heraus agiert. Da sind die Institutionen oft sperriger als die Menschen. Der Einzelne unten im Einsatz oder auch hier ist sehr beherzt dabei und möchte unterstützen und trotzdem gibt es dann diesen riesigen Apparat, der dann wieder tausend Bedenkenträger aus dem Hut zaubert. Das ist Politik, es ist eben komplex.“
Eine Komplexität, die ersichtlich wird, wenn die praktische Arbeit der Soldaten vor Ort mit den aus Deutschland vorgegebenen Regularien kollidiert und plötzlich die Mission auf dem Spiel steht. Dank Aladags inszenatorischer Entscheidung, im Zweifelsfall auf Dialoge zu verzichten, gewinnt diese Ausnahmesituation eine zwingende Prägnanz: „Zum einen, weil es im Kino nicht so viele Worte braucht, weil viel auch nonverbal vermittelt wird. Zum anderen, weil das etwas ist, was ich vor Ort beobachtet habe: die Sprachlosigkeit, zum Teil auch die Unfähigkeit, zu kommunizieren – zwischen Afghanen und Einsatzkräften, aber auch untereinander.“ Ein Schweigen, das von der Ohnmacht erzählt. So gesehen ist „Zwischen Welten“ eine Aufforderung zum Gespräch.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Bjoern Kommerell / Independent Artists Filmproduktion

Termine: Di 11.02. 16:00, Berlinale Palast (D, E); Mi 12.02. 09:30, Friedrichstadt-Palast (D, E); Mi 12.02. 15:30, Friedrichstadt-Palast (D, E); Mi 12.02. 19:30, Haus der Berliner Festspiele (D, E); So 16.02. 15:30, Berlinale Palast (D, E)

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