Berlinale 2014

Vier Filme aus dem Forum und dem Forum Expanded

Everything that rises must converge

Everything that rises must converge
„Everything stands on something“, heißt es zu Beginn von Omer Fasts neuer Filmarbeit. Man kann das als Beginn einer Endlosschleife verstehen, wie in fast allen der (häufig auch installativ) konsequent offenen Erzählwerke des in Jerusalem geborenen Künstlers. Hier bricht sich der unendliche Verweiszusammenhang allenfalls in einer einfachen Dramaturgie: vier Menschen, vier Wege durch einen Tag, in der Mitte eine Begegnung bei einem Pornodreh. Drumherum in den variierenden Split-Screen-Szenarien dann allerdings noch eine Reihe beunruhigender Momente in einem Film, der die Balance zwischen Kunst und Kino gut findet.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Omer Fast & Filmgalerie 451

Termine: Fr 07.02., CineStar IMAX (E); Di 11.02., Kino Arsenal 1 (E)

The Guests
Im Jahr 1896 war das Kino noch eine Sensation: Die Menschen hatten Freude daran, dass sich auf der Leinwand überhaupt etwas bewegte, und besaßen die Muße, ganz genau hinzuschauen. Im heutigen Medien-Overkill bedarf es anderer Maßnahmen, um aufmerksames Sehen zu provozieren. Die amerikanische Experimentalfilmlegende Ken Jacobs hat für „The Guests“ das Fragment eines Films der Brüder Lumiиre aus dem Jahr 1896 mit Zeitlupe auf über 70 Minuten gestreckt und digital in einen Anaglyphe- 3D-Film (das alte System mit den rot-grünen Pappbrillen) verwandelt. Bild für Bild kann man sich nun in jedem Detail einer Hochzeitsgesellschaft verlieren, die gerade die Kirche betritt, während im Hintergrund eine Kutsche davonfährt. Unterlegt hat Jacobs seine Hommage an alte Filmtechniken mit verknisterter Pianomusik, Ambientgeräuschen – und Stille.

Text: Lars Penning

Termine: Di 11.02. 19:30, Zoo Palast 2; Do 13.02. 15:00, Cubix 7


The Airstrip
Angriffslustig, fast wütend klingt der sparsam und prägnant eingesetzte Kommentar in Heinz Emigholz’ jüngstem Dokumentar-Essay „The Airstrip“, in dem er Bau- und Kunstwerke in einen Zusammenhang mit zeitgeschichtlichen Ereignissen des letzten Jahrhunderts setzt. Und dabei unter anderem zu der Erkenntnis kommt, dass manche der weltweiten architektonischen Fehlleistungen die geschichtszerstörerische Kraft einer Atombombe haben können. Einerseits stellt Emigholz seinen Film dabei in den ästhetischen Kontext seiner Architekturfilme (Montagen von starren Einstellungen der jeweiligen Gebäude), andererseits werden aggressiv ungewohnte Wege beschritten: Überblendungen, Spezialeffekte und Musik von Kreidler.

Text: Lars Penning

Termine: Sa 08.02., Kino Arsenal 1 (E); So 09.02. 22:00 CineStar IMAX (E); Fr 14.02. 16:30 CineStar 8 (E); Sa 15.02.; Delphi Filmpalast (E)

 

Inferno

Inferno
Knapp zwanzig Minuten ist der neue Film von Yael Bartana lang, doch in dieser kurzen Zeit zieht sie alle Register. „Inferno“ hat gute Chancen, mehr Kontroversen zu provozieren als so mancher Problemfilm aus dem Wettbewerb oder gar „Nymphomaniac“. Das hat mit der starken Ikonografie zu tun, die einerseits beim klassischen Katastrophenkino anknüpft, andererseits so etwas wie einen Hyper-Hollywood-Messianismus evoziert. In Sгo Paulo soll ein neuer Tempel von Jerusalem entstehen, in der Zählung des jüdischen Volkes wäre es der dritte, in der Zählung der evangelikalen Fundamentalisten der endgültige. Das widerlegt die Künstlerin mit spektakulären Spezialeffekten.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Marlene Bergamo / courtesy of Petzel Gallery, New York; Annet Gelink Gallery, Amsterdam, and Sommer Contemporary Art, Tel Aviv

Termine:  Fr 07.02. 22:00, CineStar IMAX; Sa 08.02. 18:00, Kino Arsenal 2; So 09.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Mo 10.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Di 11.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Mi 12.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Do 13.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Fr 14.02. 18:00, Kino Arsenal 2; Sa 15.02. 18:00, Kino Arsenal 2; So 16.02. 18:00, Kino Arsenal 2

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