Berlinale 2016

„Boris sans Bйatrice“


 
Bйatrice (Simone-Йlise Girard) hat sich aus der Realität verabschiedet. Versunken in eine schwere Depression, fristet die Politikerin in ihrem Chalet im kanadischen Nirgendwo ihr Dasein. Ihr Ehemann indes, der Unternehmer und Lebemann Boris (James Hyndman), flüchtet sich in Affären und lässt auch sonst kaum eine Gelegenheit aus, um sich seinen Mitmenschen als dünkelhaftes Ekel zu präsentieren – bis eines Tages ein Fremder im Goldgewand auftaucht und ihn mit einer unangenehmen Frage konfrontiert: Was, wenn seine Skrupellosigkeit der Grund für Bйatrices Melancholie ist?
Boris‘ Wandlung zum Besseren versucht Regisseur Denis Cфtй als als Märchen gegen den Neoliberalismus zu inszenieren, doch der Spagat zwischen magischem Realismus und Sozialkritik will einfach nicht funktionieren. Cфtйals erzählt seine Geschichte unentschlossen und unfähig, dem Zuschauer die Protagonisten nahezubringen – und offenbart nebenbei ein fragwürdiges Frauenbild: Wie Satelliten kreisen die Frauen – von der linksradikalen Tochter bis zur Lolita-Haushälterin – um das Alphatier Boris, bleiben dabei aber allesamt eindimensional. Letztendlich betreibt Cфtйals ermüdend viel Bohei um eine simple Botschaft: Schnösel hat niemand lieb.

 
Text: Julia Lorenz

Foto: Metafilms
 
Boris sans Bйatrice
CAN 2015, 93 min, R: Denis Cфtйals, D: James Hyndman, Simone-Йlise Girard

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