Berlinale 2016

„Caves of Forgotten Dreams“ von Werner Herzog

cave_of_forgotten_dreamsFür seinen Film über die südfranzösischen Höhlen von Chauvet mit ihren bis zu 35.000 Jahre alten Malereien hatte Werner Herzog eine Filmgenehmigung von radikaler Exklusivität: Der Ort ist für die Öffentlichkeit vollständig unzugänglich, nur Forscher dürfen ab und zu hinein, denn die Fehler von Lascaux, wo der Tourismus ein unwiederbringliches Menschheitsdenkmal bedenklich in Mitleidenschaft gezogen hat, sollten sich nicht wiederholen. „Caves of Forgotten Dreams“ ist also auch so etwas wie der offiziöse Film zum Thema, mit dem sich das weltweite Publikum für die nächsten paar Jahrzehnte begnügen muss.

Und doch ist dieser Dokumentarfilm in 3D auch ein genuin versponnenes Herzog-Werk geworden, eine Meditation über dieses seltsame Geschlecht, dem wir alle entstammen und das nach den neuesten Erkenntnissen des deutschen Regisseurs und nach langem Starren auf den mähnenlosen Höhlenlöwen und die hörnerstarrenden Steinzeitbisons nicht mehr „Homo sapiens“ heißen soll, sondern „Homo spiritualis“. Denn Herzog stellt sich vor, dass die urzeitlichen Menschen in den Höhlen einen heißen Tanz aufführten und dabei unserer eigentlichen Bestimmung sehr nahe waren.

„Caves of Forgotten Dreams“, zugleich eine konventionelle History-Doku und ein atemberaubender Forschungstrip, endet auf einer Note, die nur Herzog sich so leisten kann: Kaum ist er aus Chauvet wieder heraußen, findet er im Schatten eines nahen AKWs einen Tropenthemenpark, in dem das Kühlwasser des Kraftwerks für schwüles Klima sorgt und in dem Alligatoren leben, die aus trüben Augen auf die lange Geschichte der Menschheit starren. Dieser Blick interessiert Herzog, den großen Verrücker der menschlichen Kategorien, der sich mit historischen Nebensachen nicht mehr abgibt.    

Text: Bert Rebhandl

Cave Of Forgotten Dreams (Wettbewerb, außer Konkurrenz)
13.2., 22.30 Uhr, Berlinale Palast
14.2., 12.00 Uhr, Urania
14.2., 17.30 Uhr, Urania

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