Berlinale 2016

Der World Cinema Fund bei der Berlinale 2011

Wenn in einigen Tagen die mexikanische Regisseurin Paula Markovitch über den roten Teppich in den Berlinale-Palast einziehen wird, dann ist das für das Festival ein besonderer Moment. Denn der Film „El premio“, der im Wettbewerb läuft, wurde nicht einfach zeitgerecht gesichtet und dann für diese Konkurrenz ausgewählt. Beim World Cinema Fund, einer Abteilung der Berlinale, hatte man lange davor schon das Drehbuch gelesen, die Autorin getroffen, und irgendwann sah das alles so vielversprechend aus, dass es auch eine Förderung für die Herstellung von „El premio“ gab. Der WCF steuerte 50.000 Euro bei, und wenn der fertige Film nun sogar als würdig für den Wettbewerb befunden wird, dann ist das ein wenig so, wie man sich beim FC Barcelona fühlt, wenn schon wieder ein hochbegabter Fußballer aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft drängt.
Die Berlinale ist nicht das einzige Festival, das gelegentlich Geld in Talente steckt – de facto hat diese Praxis schon eine längere Tradition. 1998 gründete das weltweit bedeutendste Filmfest in Cannes eine Organisation, die dafür sorgen sollte, dass auch der nächste Quentin Tarantino, der nächste Wong Kar-wai oder der nächste Lars von Trier rechtzeitig in die Gänge kommen können. Die Cinйfondation pumpt Geld in die internationale Filmwirtschaft, nicht in großem Stil, aber doch so, dass ihr Wirken auf der ganzen Welt Spuren hinterlässt. Der in Berlin lebende Portugiese Hugo Vieira da Silva, der in diesem Jahr im Forum seinen zweiten Film „Swans“ präsentiert, war in Cannes zum Beispiel einmal einer der Gäste des Ateliers, einer der Förderinstitutionen der Cinйfondation, vergleichbar in etwa dem Talent Campus der Berlinale.
Vincenzo Bugno und Sonja HeinenAn Renommee und Bedeutung fast noch wichtiger ist der Hubert Bals Fund, der nach dem 1988 verstorbenen Gründungdirektor des Filmfestivals von Rotterdam benannt ist. Regisseure wie Lisandro Alonso aus Argentinien oder Raya Martin von den Philippinen fanden hier eine Anlaufstelle.
Der World Cinema Fund der Berlinale lehnt sich in seinen Aktivitäten an die berühmten Vorbilder an, seit 2004 arbeitet man daran, „Koproduktionsstrategien zu entwickeln“ und „kulturelle Identitäten zu reflektieren“. Der Schwerpunkt der Förderungen liegt nicht nur in Berlin vorwiegend auf Ländern, die man bis vor wenigen Jahren noch als „Dritte Welt“ bezeichnet hätte: Lateinamerika, Afrika, der arabische Raum und der Kaukasus, Zentral- und Südostasien sind die Gebiete, mit denen man die Kooperation sucht. Über „El premio“ kann Vincenzo Bugno, neben Sonja Heinen einer der beiden Geschäftsführer des WCF, erwartungsgemäß nur die besten Auskünfte geben: „Die Geschichte spielt 1976 in Argentinien, also ganz am Anfang der Militärdiktatur. Es geht um eine Familie, die keine Aufmerksamkeit erregen darf, zugleich muss die Tochter aber zur Schule gehen. Der Film zeigt eine extrem poetische und intensive Auseinandersetzung mit dieser kindlichen Welt — wir sehen die Diktatur mit den Augen eines Kindes.“

1 | 2 | weiter

Mehr über Cookies erfahren