Berlinale 2016

Die Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale 2011

Utopia Ltd.

Deutlicher zutage tritt das Gewagte im Sinne szenischer Experimentierfreude in Ziska Riemanns grellem Coming-of-Age-Drama „Lollipop Monster“. Der Film ist in seiner Überspitzung und den graphischen Bildeinfällen geprägt von der ersten Karriere der Regisseurin als Comiczeichnerin. Diese bleiben aber nicht reine stilistische Attitüde, sondern verdichten sich zur filmsprachlichen Analogie einer bipolaren jugendlichen Wahrnehmung. Auch wenn die Dramatisierung des Endes der Barbie- und Ponyzeit etwas schrill ausfällt und die physische und seelische Defloration recht blutig ins Bild gesetzt wird, so gelingt es dem Film doch gerade durch seine visuelle Phantasie und musikalische Interpunktion, die Welt so absurd und sinnentstellt zu zeigen, wie sie den beiden Mädchen im Pulverrauch familiärer und hormonaler Gefechte erscheint.
Kamakia - Die Helden der InselDas überzeugende Spezielle, nach dem das Programm sucht, ergibt sich offensichtlich insbesondere aus einer Verbindung von Erfahrung und Neuansatz. So hat auch Sandra Trostel vor ihrem Regiedebüt „Utopia Ltd.“ jahrelang als Cutterin gearbeitet  und verfügt über die rhythmische Souveränität, mit konventionellen dokumentarischen Mitteln eine ungeheure Energie zu transportieren. Der Eröffnungsfilm der Reihe porträtiert die Punkband 1000 Robota, die mit dem gesunden Größenwahn der Jugend gegen die Verstrickungen in und Korruption durch die Musikindustrie ankämpft. „Im Zweifelsfalle zeige ich lieber einen guten Dokumentarfilm als einen schlechten Spielfilm“, kommentiert Linda Söffker den auffallend hohen Anteil an Dokumentationen, „zumal der Dokumentarfilm in den letzten Jahren auch viel erzählerischer und emotionaler geworden ist.“
In dem amüsantesten Beitrag, Jasin Challahs „Kamakia – die Helden der Insel“, sucht der sehr präsente Autor – eine Art Alexis-Sorbas-Muppet – angesichts der Krise nach Beweisen für die Größe Griechenlands und findet sie in den „Kamakia“, den glutäugigen Liebhabern, die in den 60ern für die blonden Touristinnen aus dem Norden zur eigentlichen attischen Attraktion wurden. Und auch Anna Hepp gönnt ihrer auf Interviews aufbauenden Annäherung an die besondere emotionale Gemengelage deutsch-türkischer Mischehen in „Rotkohl und Blaukraut“ das mitreißende Finale einer türkischen Hochzeit. Soviel Party muss dann doch sein.

Text: Stella Donata Haag

Vaterlandsverräter
13.2., 19.30, CinemaxX 3
14.2., 13.00, Colosseum 1
14.2., 20.30, CinemaxX 1
15.2., 18.30, Union Filmtheater

Die Ausbildung
12.2., 19.30, CinemaxX 3
13.2., 13.00, Colosseum 1
13.2., 20.30, CinemaxX 1

Lollipop Monster
15.2., 19.30, CinemaxX 3
16.2., 13.00, Colosseum 1
16.2., 20.30, CinemaxX 1
16.2., 21.30, Yorck

Utopia Ltd.
11.2., 19.30, CinemaxX 3
12.2., 13.00, Colosseum 1
12.2., 20.30, CinemaxX 1

Kamakia — Die Helden der Insel
18.2., 19.30, CinemaxX 3
19.2., 13.00, Colosseum 1
19.2., 20.30, CinemaxX 1

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