Berlinale 2016

Die Sektion „Generation 14plus“ auf der Berlinale 2011

Griff

„Er ist ein Freak und das bin ich auch. Und genau deshalb liebe ich ihn!“ Zumindest was die erste Feststellung anbelangt, kann man Melody nicht widersprechen. Denn der 28-jährige Büroangestellte Griff (im Australischen „Griff the Invisible“) hält sich für einen Superhelden, der gerade auch noch die Gabe entwickelt hat, sich unsichtbar zu machen. Damit ist er so etwas wie Bindeglied zwischen jugendlichen Träumern und jenen spätpubertierenden Protagonisten der amerikanischen Filmkomödie, die partout nicht erwachsen werden wollen. Natürlich tendiert Griff mehr zur ersteren Gruppe, dafür hat er sich ein Stück seiner Unschuld bewahrt, kann aber mit Melody, die sich selber als „Experimentalistin“ bezeichnet und etwa die Substanz einer Wand testet, indem sie mit dem Kopf dagegen rennt, zu Begin wenig anfangen. „Du brauchst professionelle Hilfe„, meint sein älterer Bruder einmal zu ihm, diesen Satz kennt man aus dem letzten Mike Leigh-Film, und auch, wenn man da als Zuschauer zustimmend nickt, kann man sich einer gewissen Faszination für die Unangepasstheit der Figur nicht entziehen.
SkyscraperZwei Außenseiter stehen ebenfalls im Mittelpunkt des dänischen „Skyscraber“. Schon der Name von Jons Vater, „Big Daddy“, signalisiert, dass dieser Film mit schlichtem Realismus nichts am Hut hat. Big Daddy verliert denn auch gleich am Anfang bei einem Autounfall seine Männlichkeit. Dafür, wie für alles andere, was in seiner Familie, aber auch in der ganzen Kleinstadt falsch läuft, wird Jon verantwortlich gemacht. Doch dann wird der mittlerweile 17-Jährige mit einer ungewöhnlichen Bitte konfrontiert: die blinde Apothekerstochter Edith bittet ihn, sie zur Frau zu machen. Das ist zwar nicht ganz „Harold & Maude“, aber mit seinem schwarzen Humor schon recht eigenwillig.
Was bei zwei weiteren Filmen zuerst ins Auge sticht, sind die Farben der Landschaften: das Weiß der Antarktis im amerikanischen „On the Ice“, das Rotbraun der aus­tralischen Wetbacks in „Red Dog“. In der Weite der Antarktis vollzieht sich das Drama zweier Freunde, zwischen denen ein Dritter, ein Toter, steht. Es geht um Schuld und Sühne, um Verschweigen und Enthüllen, um die Bereitwilligkeit, der Wahrheit nicht ins Auge zu sehen, gerade wenn es um Familie und Freundschaft geht. Visuell betörend und erzählerisch düster ist das, was Andrew Okpeaha MacLean in seinem Debütfilm zeigt.

1 | 2 | weiter

Mehr über Cookies erfahren