Berlinale 2016

„Eisenstein in Guanajuato“ von Peter Greenaway im Wettbewerb

Eisenstein in Guanajuato

Es ist das Jahr 1931, der Regisseur mittlerweile 33 Jahre alt, seine drei großen Filme „Streik“, „Panzerkreuzer Potemkin“ und „Oktober“ liegen ein paar Jahre zurück, der nächste Film „Que viva Mйxico“ ist in der Mache. Einige hundert Kilometer Film hat der Russe bereits verdreht, doch so richtig mag sich nichts abzeichnen und Eisensteins reicher amerikanischer Geldgeber (der Schriftsteller Upton Sinclair) wird ungeduldig. Das scheint Eisenstein aber herzlich egal zu sein. Nicht nur, weil er sich ohnehin wenig um Stressoren wie diesen schert – Ursache der Schwebereien ist Palomino (Luis Alberti), ein geschmeidiger und schöner Mann, der Eisenstein für seinen Aufenthalt in Guanajuato zur Seite gestellt wird.
Schnell wird klar, wohin die Reise für beide Regisseure, Greenaway und Eisenstein, geht: Kreisen Palomino und Eisenstein zunächst noch in intellektuellen Höhen davon und umeinander (es gibt zum Beispiel eine schöne „Prozession der großen Toten“ auf einem Friedhof), mündet Greenaways klamaukig-rasantes Sprech-Musical (ein Orchester unterlegt weite Strecken des Films und die Kamera tänzelt sowieso permanent) auf kurz oder lang in der Zusammenkunft beider Männer. Die wird irgendwann ein bisschen zu schnulzig, worüber auch ein paar an Eisenstein (dem echten) entlehnte Regie-Kunststückchen nicht völlig hinwegtrösten können.

Text: Carolin Weidner

Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin

Bären-Quote:

Termine: „Eisenstein in Guanajuato“

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