Berlinale 2016

„Ejhdeha Vared Mishavad!“ – „A Dragon Arrives!“

Der Selbstmord war inszeniert, das sieht Babak Hafizi sofort. In einem Schiffswrack in der iranischen Wüste soll sich ein politischer Gefangener erhängt haben. Der Kommissar glaubt nicht an den Freitod des Mannes, doch die Ermittlungen auf einem Wüstenfriedhof geraten zur Hadesfahrt. Und zwar im Wortsinn: Immer, wenn ein Mensch hier beerdigt wird, öffnet sich die Erde – und wer hinabsteigt, läuft Gefahr, sich selbst zu verlieren.
Der grimmige Humor, die psychedelisch-bunte Optik und der lässige Chevrolet Impala, mit dem Hafizi und sein Gefolge durch die Wüste brettern, lassen „Dragon Arrives!“ wie eine iranische Antwort auf die Pynchon-Verfilmung „Inherent Vice“ anmuten. Doch unter der schillernden Oberfläche verbirgt sich ein durchaus politisches Werk. Denn die Filmhandlung setzt wenige Tage nach der Ermordung des iranischen Premiers Hassan Ali Mansour im Jahr 1965 ein. Der Schah ist an der Macht – und seine Geheimpolizei allgegenwärtig. Mit „A Dragon Arrives!“ inszeniert Regisseur Mani Haghighi, der bereits seinen Film „Alles über Elly“ auf der Berlinale 2009 vorstellte, eine von Angst bestimmte Zeit als verrätselten, überdrehten Trip. Der diesjährigen Berlinale beschert er damit einen ihrer ungewöhnlichsten Wettbewerbsfilme. JL

Sehenswert

Text: Julia Lorenz

Foto: Abbas Kosari

Iran 2016, 107 min, R: Mani Haghighi, D: Amir Jadidi

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