Berlinale 2016

„El Premio“ im Wettbewerb der Berlinale 2011

El Premio

Dass Paula Markovitchs „El Premio“ gleich am Berlinale-Beginn platziert ist, kann man durchaus als programmatisches Statement des Festivals lesen, das seinen Wettbewerb in diesem Jahr stärker als je zuvor für das junge Kino von international noch wenig bekannten Filmemachern geöffnet hat. „El Premio“ ist das autobiographisch eingefärbte Debüt der argentinisch-mexikanischen Regisseurin Paula Markovitch, die davor als Drehbuchautorin für „Duck Season“ und „Lake Tahoe“ hervorgetreten ist.
Als Kind lebte Markovitch wie nun ihre siebenjährige Heldin Ceci in einem Versteck am winterlich stürmischen Atlantikstrand, 300 Kilometer von Buenos Aires entfernt, wo die Militär-Diktatur den Vater verhaftet und die Mutter und sie in die Flucht getrieben hatte. Für ihren Film ist sie nach San Clemente del Tuyъ zurückgekehrt und blickt nun auf ein düsteres, in verhangenen Digitalbildern eingefangenes Szenario: Fast gänzlich der Perspektive und dem Erleben des Mädchens verpflichtet, entsteht in „El Premio“ ein Bild des unmöglichen, zunehmend alptraumhaften Alltags, in dem sich Ceci selbst behauptet, ohne den Widersprüchen ihrer Situation entkommen zu können. Markovitch präpariert mit Sinn fürs Modellhafte der Situation die autoritären, deformierenden  Züge des Schullebens, an dem Ceci unter falschem Namen teilhat, ebenso heraus, wie die Not des Kindes, ohne den Halt der zunehmend depressiven Mutter, mit seinen zwei Identitäten umzugehen.
„El Premio“ lässt sich dabei ganz und gar auf die Gegenwart des Mädchens ein, ohne große dramatische Überraschungen zu forcieren. Mehr interessiert sich die Regisseurin für die Nebeneffekte der mikroskopischen Genauigkeit: Die Vignetten aus dem Kinderuniversum sind von Anfang an auch ein Spiegel der grausamen Erwachsenenwelt.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Sehenswert

El Premio (Mexiko/Frankreich/Polen/Deutschland, 2011); Regie: Paula Malkovitch; Darsteller: Paula Galinelli Hertzog (Ceci), Sharon Herrera (Silvia), Laura Agorreca (Lucia); 115 Minuten

El Premio (Wettbewerb)
12.02., 15.00, Friedrichstadtpalast
12.02., 20.30, Friedrichstadtpalast
12.02., 22.30, Urania
20.02., 12.00, Berlinale Palast

Die Filmkritiken aller bereits gezeigten Wettbewerbsfilme in der Konkurrenz finden Sie in unserem Archiv:
Unser Berlinale-Archiv 2011

 

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