Berlinale 2016

Forum Expanded

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Der Film „Strom“ (Foto) von Eva C. Heldmann hieß in einer früheren Projektphase einmal „Nacht“, was auch ein naheliegender Titel gewesen wäre, geht es hier doch um Menschen, denen der Strom abgedreht wurde. Eine Frau ­erzählt, dass sie monatlich 160 Euro zahlte und nicht so richtig dahinterkam, wofür – sie schaltete den Kühlschrank ab, dann weitere Geräte, die Rechnung blieb hoch, also gab sie auf. Eine Weile setzte sie noch auf Taschen­lampen, dann wurde auch das zu teuer.
Das klingt nach einem interessanten Dokumentarfilm, doch es ist die besondere Form von „Strom“, die es mit sich bringt, dass er im Forum Expanded läuft, der Berlinale-Sektion, die sich für die Verbindung zu den Künsten zuständig erklärt. Tatsächlich ist „Strom“ (Bild) nicht einfach ein Dokument prekären Lebens ohne elektrische Energie, sondern ein äußerst konzeptuell organisierter Film, der sich seinem Thema zugleich einfühlsam und distanziert, unmittelbar und auf Umwegen“ nähert.
Insgesamt präsentiert sich die Sektion in ihrem 10. Jahr konzentriert und überzeugend kuratiert. Die Akademie der Künste am Hanseatenweg wird zum Forum-Expanded-Quartier, dort findet man auch die Ausstellung (mit Arbeiten etwa von Wendelien van Oldenborgh oder einer historischen von David Askevold), dort gibt es Keynotes und Gespräche (zum Beispiel nach dem afrikanischen Vierstünder „Les choses et les mots de Mudimbe“ von Jean-Pierre Bekolo) .
Aus der Fülle des Programms, das mit „To the Sound of the Closing Door“ einen etwas rätselhaften Titel bekommen hat, zwei Empfehlungen: „Oskar Dawicki in The Performer“, ein Dokumentarfilmprojekt um den gleichnamigen polnischen Aktionskünstler, zu dem Lukasz Ronduda und Maciej Sobieszanski auch eine Performance angekündigt haben; und „Gineva“ von Nicolas Cilins, in dem rumänische Armutsmigranten in der Schweiz vor Bluescreen die Pro­bleme „proben“, die sich einhandeln, während sie ihre Haut zu Markte tragen.

Text:
Bert Rebhandl

Foto: Eva C. Heldmann

Forum Expanded
Akademie der Künste, Eröffnung am 4.2. um 19 Uhr

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