Berlinale 2016

Genesis P-Orridge auf der Berlinale 2011

The Ballad Of Genesis And Lady Jaye

Im Idealfall ist die Liebe das Zusammenkommen zweier Hälften, die sich ergänzen. Zwei sich ausgleichende Korrektive, die eine Einheit bilden, die mehr ist als ihre reine Summe. Im Fall des britischen Performance-Künstlers Genesis Breyer P-Orridge und seiner 2007 verstorbenen Frau Lady Jaye Breyer ist diese Metamorphose eine recht spezielle, ja bizarr anmutende Verschmelzung.
Das Konzept dieses Künstlerpaares war nicht nur eine innerliche Einswerdung, sondern auch eine äußerliche. Beide haben sich mittels plastischer Chirurgie aneinander angeglichen, wobei P-Orridge in einem Stadium angelangt ist, das ihn aussehen lässt wie die Nachtmahr-Version von Hildegard Knef: Eine raues Englisch sprechende, untersetzte Blondine mit Schlauchbootlippen, Goldzähnen und schmerzhaft gigantischen Brüsten. Das ist, man muss es sagen, Kunst, die sich über alle Konventionen hinwegsetzt und keinerlei Erwartungshaltung bedient. Was Genesis P-Orridge aber ohnehin noch nie getan hat. Als Porträt des wahrscheinlich bedeutendsten britischen Off-Art-Künstlers der letzten 50 Jahre ist „The Ballad of Genesis and Lady Jaye“ in erster Linie ein Film über P-Orridge und seine Verdienste fernab des kommerziellen Kunstbetriebs. Flankiert wird Marie Losiers Werk von einem P-Orridge-Cut-up-Kurzfilm-Programm, Diskussion und Konzert.
Ob als Teil der Performance-Gruppe COUM Transmissions, Industrial-Gründer mit Throbbing Gristle, Sänger von Psychic TV oder Oberhaupt der lustigen Okkult-Sex-Sekte Thee Temple ov Psychick Youth hat dieser Mann ein Leben geführt, das komplett und vor allen Dingen voller Mut und Radikalität nur seinen konzeptuellen Ansprüchen genügen will. Seine Einswerdung mit der betörend schönen und charismatischen Lady Jaye, einer ehemaligen Domina, ist nur ein weiteres Puzzlestück in dieser sehr eigenen Idee eines Gesamtkunstwerkes. So beschäftigt sich die Dokumentation in erster Linie mit Rückblicken auf P-Orridges Karriere, doch darin wird in anrührenden Momenten auch der zärtliche Umgang des Paares sichtbar – auch wenn ihre Liebe alle Konventionen hinter sich gelassen hat.

Text: Marcus Weingärtner

Foto: Uli Holz

The Ballad of Genesis and Lady Jaye (Forum)
15.2., 16.30, Delphi
17.2., 16.30, CineStar 8
18.2., 22.15, Cubix 9
20.2., 12.30, Arsenal 1

Noise Margins (Forum Expanded)
15.2., 17.30, Arsenal 1
18.2., 20.30, Arsenal 2

Cutting Up Ghosts (Forum Expanded)
14.2., 20.00, Arsenal 2

Konzert mit Genesis Breyer P-Orridge, Tony Conrad und Morris Edley (Forum Expanded Stage)
HAU 2, 19.2., 22 Uhr

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