Berlinale 2016

Glücksspiel an der Tageskasse: Berlinale-Karten

Kartenvorverkauf bei der Berlinale

Bald geht er wieder los, der Ansturm auf die Berlinale-Tickets. Am 7. Februar, drei Tage vor Festivalbeginn, öffnen die Vorverkaufsstellen in Berlin, dann beginnt der Verkauf an den Eventim-Theaterkassen in ganz Deutschland, und auf der Berlinale-Website werden die ersten Kontingente für Online-Reservierungen freigeschaltet. Wie jedes Jahr liegen auch in diesem Jahr insgesamt gut eine Viertelmillion Kinokarten bereit. Fast 400 Filme stehen zur Auswahl, an den elf Festivaltagen finden rund 900 Filmvorführungen statt. Das klingt, als müsste es einfach sein, an Karten ranzukommen. Doch das ist es nicht. Selbst wenn man nicht zu denen gehört, die zu einem der Wettbewerbsfilme mit internationalem Staraufgebot wollen, ist der Kinobesuch bei der Berlinale eine Herausforderung der besonderen Art.
„Dass ich Karten für die Filme und Zeiten bekomme, die ich möchte, klappt eher selten“, sagt die Japanologin Nora Bierich, die am liebsten japanische Filme schaut und solche, die anschließend  nicht in den Kinos anlaufen. „Nur für etwa die Hälfte von dem, was ich ausgewählt habe, habe ich am Ende auch ein Ticket“, sagt auch der Architekt Paul Grundei. „Ich arbeite tagsüber und kann nur abends und am Wochenende, wie die meisten Leute eben.“ Auch die Studentin Ina Kettemann hat es bei der Berlinale bisher nicht in ihren Wunschfilm geschafft: „Am Ende nehme ich immer das, was mir als Alternative angeboten wird. Das sind oft Filme, die ich sonst nie angeschaut hätte. Manchmal waren es echt tolle, manchmal echt schlechte Filme.“
Diese und ähnliche Erfahrungen hat so gut wie jeder Berlinale-Besucher schon gemacht. Erst steht man stundenlang an, weil das Online-Kontingent längst aufgebraucht war, als man sich endlich entschieden hatte. Dann ist man an der Reihe, aber es gibt keine Karten mehr für das, was man sich ausgesucht hat. Eine garantiert erfolgreiche Strategie, um dem aus dem Weg zu gehen, gibt es nicht. In den größten Kinosälen, wie dem Berlinale Palast und dem Friedrichstadtpalast, ist Platz für über 1500 Menschen, in den übrigen Kinos sind es zwischen rund 150 und 900 Plätzen. Man muss schnell sein und Glück haben. Im Schnitt gibt es rund 280 Tickets pro Filmvorführung, die Hälfte davon kann jeweils online über das Festivalprogramm auf der Berlinale-Website gebucht werden. Groß ist das Kontingent pro Vorstellung im Netz also nicht. „Man muss sich sofort, wenn der Verkauf freigeschaltet wird, einloggen. Fast immer sind nach einer Viertelstunde alle Karten weg“, sagt Paul Grundei. Hat es per Mausklick nicht geklappt, stellt er sich eben an, meist an der Kasse im Kino International. „Da ist in der Regel weniger los als am Potsdamer Platz.“ Und am besten geht man nicht ohne Plan B, C und D los. Das persönliche Ausweichprogramm muss natürlich mit allen Freunden, die mitkommen wollen, abgestimmt werden. „Wir stellen uns immer reihum für Ticktes an“, sagt Paul Grundei. Der Versuch, bei der Berlinale dabei zu sein, ist zwar nicht unbedingt zum Scheitern verurteilt – Paul Grundei schafft es immerhin zehn bis 15 Mal pro Berlinale ins Kino –, aber doch mit großer Anstrengung und viel Planungsgeschick verbunden. Für viele jedoch gehört genau das zum Berlinale-Erlebnis dazu.  
Ganz anders macht es die Studentin Lisa Jansen, sie ist einer der Festivalbesucher, die keine speziellen Filmwünsche haben und denen die Uhrzeiten egal sind. „Ich gehe einfach kurz vor Vorstellungsbeginn zur Tageskasse. Ich gucke sowieso gern komische Filme zu komischen Zeiten, und da kriege ich meistens noch eine Karte. Und billiger ist es auch.“ Last-Minute-Kinogänger zahlen nur noch die Hälfte Eintritt. Claudia Hegner von der Berlinale-Presseabteilung kann zu diesem Glücksspiel nur raten: „Wenn Vorstellungen ausverkauft sind, sollte man es immer an der Tageskasse versuchen. Die nicht abgeholten Tickets der Vorbestellungen werden dann dort verkauft.“ Anstellen muss man sich trotzdem.
Wem das alles zu viel ist, der sollte sich einfach Urlaub nehmen, am besten schon ein paar Tage vor dem offiziellen Festivalbeginn. Dann kann man, bevor der Vorverkauf für die ersten Filme startet, das Programm studieren und sich einen Plan ­machen. Außerdem kann man dann auch schon um 9 Uhr morgens ins Kino gehen, da sind die Schlangen an den Tageskassen erfahrungsgemäß noch ziemlich kurz.

Text: Katharina Wagner

Foto: Berlinale 2005

Vorverkaufsstellen
Arkaden am Postdamer Platz, Kino International, Urania und an den Theaterkassen mit Eventim-Netz in ganz Deutschland, ab Mo 7.2., täglich 10 bis 20 Uhr

Online
Ab Mo 7.2., Karten werden drei (für Wettbewerbsfilme) bzw. vier (für Wiederholungen) Tage im Voraus jeweils um 10 Uhr
freigeschaltet, gebuchte Karten können zwischen 10 und 19.30 Uhr am Internet-Counter in den Arkaden am Potsdamer Platz abgeholt werden.

Last-Minute-Tickets
Am Tag der Vorstellung gibt es nur noch Tickets an der Tageskasse in den Kinos. Wer eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn noch eine ergattert, erhält diese um 50% ermäßigt.

GruppenKarten
Nur für die Sektionen Generation Kplus und 14plus, ab fünf Personen, nur mit telefonischer Anmeldung ab Mi 26.1. unter
Tel. 212 36 754, tgl. 11 bis 17 Uhr, Abholung der Karten ab Do 10.2., tgl. 11 bis 18 Uhr, Berlinale Service Center, Eichhornstraße 3 (Potsdamer Platz), Mitte

Berlinale-Kartenbüro
Potsdamer Straße 5, Mitte, Tel. 259 20 259, [email protected]

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