Berlinale 2016

„Hail, Caesar!“ von Joel und Ethan Coen

Joel & Ethan Coen bringen mit „Hail, Caesar!“ nicht zum ersten Mal einen Film zur Berlinale. 2011 stellten sie ebenfalls den Eröffnungsfilm, den Western „True Grit“, mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld und Matt Damon in den Hauptrollen. 1997 lief „The Big Lebowski“ sogar regulär im Wettbewerb. Der neuerliche Besuch mit „Hail, Caesar“ hat wohl auch mit George Clooney zu tun, mit dem die Coens schon zum vierten Mal arbeiten, und der gute Beziehungen zu Berlin und zur deutschen Filmförderung unterhält.

Unglaubliche 25 Jahre ist es schon wieder her, dass ein junger Autor in New York ein Angebot aus Hollywood erhielt. Sein Name war Barton Fink, das Studio, das ihn verpflichtete, hieß Capitol Pictures, und wer den gleichnamigen Film von Joel und Ethan Coen aus dem Jahr 1991 im Gedächtnis hat, weiß um eines der berühmtesten Beispiele einer Schreibblockade in der Filmgeschichte. Sie löst sich auf vertrackte Weise so auf, dass damals auch das intellektuelle Publikum seine helle Freude hatte. „Barton Fink“ gilt heute als ein Schlüsselwerk der Postmoderne im Kino: das Erzählen beschäftigte sich damals bevorzugt mit sich selbst.
Es gibt einen konkreten Grund, sich vor der Berlinale vielleicht „Barton Fink“ noch einmal anzusehen: Denn in „Hail, Caesar“, dem diesjährigen Eröffnungsfilm, taucht das fiktive Studio Capitol Pictures wieder auf. Die Coen-Brüder kehren nach Hollywood zurück, wohin sie selbst immer nur halb gehört haben. Dieses Verhältnis spiegelt sich auch bei „Hail, Caesar!“ wieder, der von der britischen Firma Working Title produziert wurde, die allerdings dem Hollywood-Studio Universal gehört.
1991 dachte man bei Capitol Pictures an eines der größten Studios in der Geschichte der Traumfabrik: Metro-Goldwyn-Meyer (MGM). Barton Fink soll einen Catcher-Film für den Star Wallace Beery schreiben, eine Figur aus dem richtigen Leben. Für den ungehobelten Studio-Boss Jack Lipnick stand der legendäre Louis B. Mayer Pate, und auch der trunksüchtige Kollege W.P. Bill Mayhew hatte ein berühmtes Vorbild in der Wirklichkeit – den Literaturnobelpreisträger William Faulkner, der sich in Hollywood eine Weile als Lohnschreiber versuchte, dort nicht glücklich wurde, aber immerhin an solchen Klassikern wie „Haben und Nichthaben“ oder „Tote schlafen fest“ beteiligt war.
In „Hail, Caesar“ geht es nun auch wieder um eine Figur, die es tatsächlich gegeben hat, und neuerlich handelt es sich bei dem entsprechenden Studio um MGM. Im Mittelpunkt steht Eddie Mannix, der bei MGM zu einem „Fixer“ wurde. So nannte man die Leute, die hinter den Kulissen dafür sorgten, dass der schöne Schein der Traumfabrik so halbwegs gewahrt bleibt. Ein Fixer wurde immer dann gerufen, wenn es einen Skandal zu vertuschen gab: uneheliche Schwangerschaften, homosexuelle Liebschaften oder manchmal sogar Todesfälle, bei denen eine natürliche Todesursache erst konstruiert werden musste.
Wenn man nach Eddie Mannix im Netz sucht, stößt man bald auf ein Buch von einem gewissen E.J. Fleming, das eben so heißt: „The Fixers“. In den Drehbuch-Credits zu „Hail, Caesar“ taucht Fleming nicht auf, was möglicherweise damit zu tun hat, dass das Buch als umstritten gilt. Naturgemäß ist die Aktenlage bei den meisten der dargestellten Fälle dürftig. So findet sich zum Beispiel bei Wallace Beery der Vorwurf der Vergewaltigung, erhoben von seiner Ehefrau Gloria Swanson. Als Tatzeitpunkt gab sie die Hochzeitsnacht an, die Ehe war also von Beginn an zerrüttet.
Das prominenteste Gerücht um Eddie Mannix, das Fleming in Umlauf bringt, betrifft den Tod des Schauspielers George ?Reeves. Der Darsteller aus Sandalenfilmen wie „Samson und Delilah“, der danach vor allem als „Superman“ 1952 bis 1958 in einer Serie feststeckte, die er wie ein Gefängnis empfand, wurde 1959 in seinem Haus in Beverly Hills tot (und nackt) aufgefunden. Offiziell hatte er Selbstmord begangen. Fleming hingegen geht von Totschlag aus, allerdings bezichtigt er nicht Eddie Mannix, sondern Leonore Lemmon, die damalige Verlobte von Reeves.
Es ist eine klassische Skandalgeschichte, und wenn man von den Fotos ausgeht, die von „Hail, Caesar!“ bereits im Umlauf sind, dann erzählen die Coen-Brüder wohl ihre Version davon. George Clooney ist Baird Whitlock, den man im Römer-Kostüm zu sehen bekommt. Josh Brolin spielt Eddie Mannix. Zu erwarten ist wohl eher eine Satire auf einen Skandalfilm, als ein Enthüllungsdrama. Dieses gibt es übrigens schon: 2006 drehte Allen Coulter, der damals von den „Sopranos“ kam, seine Sicht der Dinge auf den Tod von George Reeves, mit Ben Affleck in der Hauptrolle.

Text: Bert Rebhandl

Fotos: Universal Pictures

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