Berlinale 2016

Im Wettbewerb der Berlinale 2011: „The Future“

The Future

Sophie will auch so ein Tanzvideo aufnehmen. So wie das junge, mit seinen youtube-Klickzahlen prahlende Ding, das am Empfang des Tanzstudios sitzt, in dem sie als Lehrerin arbeitet. Doch mit ihren komisch eckigen Bewegungen wird sie irgendwie nicht wirklich glücklich. Sie tanzt so, wie Miranda July, die in ihrem Wettbewerbsfilm „The Future“ gleich selbst die Hauptrolle übernommen hat, auch auf die Welt blickt: irgendwie anders und ein bisschen der Wirklichkeit entrückt. Wie ihr Debüt „Ich und du und alle, die wir kennen“ hat auch die zweite Regiearbeit der amerikanischen Künstlerin eine ähnlich träumerische Schwerelosigkeit. Statt auf ein spleeniges Ensembles fokussiert sie diesmal allerdings nur auf die Tanzlehrerin Sophie und den Telefonisten Jason, ein Paar Mitte 30, das sich in vier Jahren Beziehung bestens aufeinander eingespielt hat. Eigenwillige, nett versponnene Seelenverwandte könnte man meinen. Doch dann entschließen sie sich, eine verletzte Katze aus dem Tierheim zu sich zu nehmen, die in 30 Tagen zu ihnen kommen soll. 30 Tage sind es, die ihnen von ihrem alten Leben bleiben. Und schon beginnen sie zu rotieren: über ihre Zukunft, verschobene Prioritäten, neue Verantwortungen, das Ankommen und Angekommensein.
„The Future“ illustriert all das mit vielen kleinen Einfällen, die July auch immer wieder ins Situationskomische oder ins Surreale treiben lässt – ob die Zeit angehalten wird oder die Katze über ihr Warten im Käfig philosophiert. Dabei kann man von „The Future“ sicherlich schnell genervt sein, von den nur um sich kreisenden Niemalserwachsenen oder von Julys körpertemperierter Angeschrägtheit, die so typisch geworden ist für US-Indie-Filme. Man kann in diesem minimalistischen Zauberwerk aber auch einfach hingerissen mitschweben.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Sehenswert

The Future (USA 2011); Regie: Miranda July; Darsteller: Miranda July (Sophie), Hamish Linklater (Jason), David Warshofsky (Marshall); 91 Minuten

The Future (Wettbewerb)
16.02., 15.30, Friedrichstadtpalast
16.02., 22.30, Urania
17.02., 18.30, Adria
20.02., 22.30, Berlinale Palast

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