Berlinale 2016

Im Wettbewerb der Berlinale 2011: „Saranghanda, saranghaji anneunda“

Saranghanda, saranghaji anneunda

Dass man keinen Actionfilm sehen wird, macht schon die erste Einstellung deutlich: Rund zehn Minuten blickt die Kamera unverwandt durch die Windschutzscheibe eines Autos auf ein junges Ehepaar, das sich gerade auf dem Weg zum Flughafen befindet. Die beiden plaudern über Alltägliches: wie lange der Businesstrip der Frau nach Japan dauern wird, dass die Mahlzeiten an Bord von Flugzeugen immer so schlecht seien und ob er jetzt lieber einen Kaffee oder einen Fruchtsaft trinken möchte. Dann eröffnet sie ihm, dass sie ihn nach ihrer Rückkehr verlassen wird, wegen eines anderen.
Wer Filme wie „This Charming Girl“ (2004) und „Ad-lib Night“ (2006) des koreanischen Regisseurs Lee Yoon-ki gesehen hat, die in vergangenen Jahren im Forum der Berlinale liefen, der darf zurecht vermuten, dass auch die Protagonisten von „Saranghanda, saranghaji anneunda“ (Come Rain, Come Shine) in dramatischen Situationen nicht zu größeren Ausbrüchen neigen werden. Im Gegenteil ist es ihre Unfähigkeit, anderen gegenüber Gefühle mitzuteilen, die ihnen das (Beziehungs-)Leben erst so richtig schwer macht.
„Saranghanda, saranghaji anneunda“ schildert den letzten gemeinsamen Nachmittag des Paares: Sie packt eher halbherzig die Koffer, fühlt sich von vielen Dingen erinnert an die gemeinsame Zeit.  Er ist aufmerksam, hilfsbereit, fast verständnisvoll – doch sie würde sich von ihm lieber einen Wutausbruch wünschen. Immer wieder enden die Handlungen des Paares in kleinen Routinen, die gleichermaßen einen noch immer liebevollen Umgang miteinander belegen als auch die Erstarrung des gemeinsamen Lebens anzeigen. Irgendwo dazwischen spielt sich das Ende einer Beziehung ab, das keineswegs unabwendbar erscheint: subtil im Gesagten wie im Ungesagten. Ein melancholischer und minimalistischer Reigen des alltäglich Banalen, an dem man als Zuschauer durchaus sein Vergnügen haben kann, wenn man sich darauf einlässt.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Saranghanda, saranghaji anneunda (Korea 2011); Regie: Lee Yoon-ki; Darsteller: Lim Soo-jeong (Frau), Hyun Bin (Mann); 105 Minuten

Saranghanda, saranghaji anneunda (Wettbewerb)
18.02., 09.30, Friedrichstadtpalast
18.02., 22.30, International
18.02., 22.30, Urania
20.02., 18.00, Berlinale Palast

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