Berlinale 2016

Im Wettbewerb der Berlinale 2011: „Wer wenn nicht wir“

Wer wenn nicht wir

In seinem Spielfilmdebüt holt Andres Veiel die Protagonisten der RAF noch einmal dahin zurück, wo die Fronten von rechts und links sie nie haben wollten: in die vertraute bildungsbürgerliche Mitte, der sie entstammen. Die Dreiecksgeschichte zwischen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und dem Autor und Verleger Bernward Vesper („Die Reise“) spielt sich in den 60er Jahren ab, als es die RAF noch nicht gab. Vergleichsweise unspektakulär und unbelastet lässt Regisseur Veiel seine Darsteller in der Aufbruchs-Szenerie der 60er wandeln. Umso stärker ist der Sog, mit dem die Figuren damit die Diskurs-Ebene auf sich ziehen und den kollektiven RAF-Film in unseren Köpfen herausfordern. August Diehl als Vesper leiht sein junges Gesicht einer allmählich an sich selbst und dem Schatten des NS-Vaters scheiternden Hauptfigur, immer mehr verblassend bis zum glanzlosen psychischen Verfall. Demgegenüber Alexander Fehling und Lena Lauzemis als magnetisches Liebespaar Baader und Ensslin, verbunden durch das radikale Vokabular des Politischen und die wortlose Macht des Sexuellen. Ein Film, der durch Verlangsamung und Einfachheit des Hinsehens die unerlöste Psychologie des deutschen Terrorismus wirkungsvoll zum Zuschauer zurückspielt.

Text: Iris Depping

Foto: Markus Jans

tip-Bewertung: Herausragend

Wer wenn nicht wir (Deutschland 2011), Regie: Andres Veiel, Darsteller: August Diehl (Bernward Vesper), Lena Lauzemis (Gudrun Ensslin), Alexander Fehling (Andreas Baader); 124 Minuten

Wer wenn nicht wir (Wettbewerb)
18.02., 12.00, Friedrichstadtpalast
18.02., 18.30, Eva Lichtspiele
18.02., 23.00, Friedrichstadtpalast

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Andres Veiel

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