Berlinale 2016

Im Wettbewerb der Berlinale 2011: „Yelling To The Sky“

Yelling To The Sky

Das Elend des Erwachsenenwerdens, besonders das in prekären Verhältnissen, ist ein Standard des Kinos. Und standardmäßig fühlt es sich im Regie-Debüt von Victoria Mahoney leider auch an. Im Mittelpunkt steht die 17-jährige Sweetness: Ihr Vater ist ein weißer Trinker, ihre schwarze Mutter ist ein psychisches Wrack, nur die große Schwester Ola – schwanger von einem Kleinkriminellen – spendet etwas Trost. Geballte Tristesse daheim, draußen erwarten Sweetness dumme Anmache, wegen ihrer hellen Haut auch Hohn und Handgreiflichkeiten. Als Ola verschwindet, will die kleine Schwester nicht mehr Opfer sein, durch etwas Vertriebsarbeit für den netten Dealer Roland wächst ihr Selbstbewusstsein, bald benimmt sich das sensible Mädchen mit dem wachen Verstand wie eine grobe Halbwelt-Tussi. Dass dieser Abstieg ins Milieu nicht konsequent zu Ende gedacht und inszeniert wird, ist ein Problem von „Yelling To The Sky“, entspricht aber der wankelmütigen, fast willkürlichen Erzählweise des Films, der über die bloße Aneinanderreihung teils gelungener, meist aber formelhafter Szenen aus der Unterschicht kaum herauskommt. Hauptdarstellerin Zoe Kravitz (Tochter von Lenny) müht sich wacker, dem matten Bilderbogen Ausdruck und Tiefe zu verleihen, doch der Film bleibt eine Enttäuschung. Einen besonderen Bären-Dienst (und damit sind nicht die Wettbewerbs-Chancen des Films gemeint) erweist Victoria Mahoney (auch Buch/Produktion) ihrem Debüt durch die kalkuliert wirkende Nähe zu einem thematisch ähnlichen Indie-Hit: Auch wenn gelegentlich „Precious“-Star Gabourey Sidibe als unangenehme Cliquen-Chefin auftaucht, bleibt „Yelling To The Sky“ zu konventionell, zu gewollt, um das filmische Format des Vorgängers zu erreichen.

Text: Thomas Klein

tip-Bewertung: Uninteressant

Yelling To The Sky (USA 2011); Regie: Victoria Mahoney; Darsteller: Zoe Kravitz (Sweetness O’Hara), Gabourey Sibide (Latonya Williams), Tim Blake Nelson (Coleman), Jason Clarke (Gordon O#Hara); 96 Minuten

Yelling To The Sky (Wettbewerb)
13.02., 15.00, Friedrichstadtpalast
13.02., 20.00, Urania
20.02., 10.00, Haus der Kulturen der Welt

Die Filmkritiken aller bereits gezeigten Wettbewerbsfilme in der Konkurrenz finden Sie in unserem Archiv:
Unser Berlinale-Archiv 2011

Mehr über Cookies erfahren