Berlinale 2016

Interview mit Bob Odenkirk

Interview mit Bob Odenkirk

Serien auf ?der Berlinale: Im Rahmen der Special-Sektion zeigt die Berlinale eine Reihe von Folgen aus neuen Fernsehserien. Die prominenteste ist dabei sicher die zweite Staffel von Better Call Saul, dem Ableger von Breaking Bad. Gesendet wird sie auf AMC und Netflix. Die weiter zunehmenden Verbindungen zwischen Kino- und Serien-Produktionen sind an The Night Manager ersichtlich, einen britisch-spanischen Projekt auf Grundlage eines Buchs von John le Carrй. Hier macht die renommierte dänische Arthouse-Größe Susanne Bier die Regie. Aufmerksamkeit verdient darüber hinaus besonders die israelische Serie The Writer von Shay Capon, der davor mit der Sitcom Arab Labor den komplizierten Israelisch-palästinesischen, jüdisch-arabischen Alltag in Israel komisch verarbeitet hat.

tip Mr. Odenkirk, während wir gerade sprechen, ist ganz Amerika im Powerball-Fieber. Es geht um einen der größten Lotto-Jackpots aller Zeiten. Haben Sie auch mitgespielt?
Bob Odenkirik?Oh nein, habe ich nicht. Denn ich habe mein Glück in diesem Leben schon aufgebraucht, glaube ich. Klingt jetzt wie ein Witz, aber es fühlt sich für mich wirklich so an. Wenn ich noch mehr Glück hätte als zuletzt sowieso schon, wäre das doch wirklich ungerecht, oder? Außerdem brauche ich kein Powerball. Die Schauspielerei ist Lotterie genug.

tip Wie meinen Sie das?
Bob Odenkirik?Ach, man hofft einfach sein ganzes Leben lang auf fünf Richtige, aber hat eben letztlich doch null Einfluss darauf. Ob man es in diesem Beruf schafft oder nicht, ist am Ende tatsächlich fast nur vom Glück abhängig. Was glauben Sie, warum ich mein Leben lang als Drehbuchautor gearbeitet habe? Natürlich stand ich auch immer schon vor der Kamera. Aber den Hauptteil meines Lebensunterhalts habe ich bis vor ziemlich kurzem eher mit dem Schreiben bestritten. Mich nur auf die Schauspielerei zu verlassen, war mir schlicht zu ungewiss. Zu wenig Kontrolle, zu viel Abhängigkeit von der Gunst anderer Leute.

tip Sie fingen Ende der 1980er-Jahre bei „Saturday Night Live“ als Autor an und schrieben dann unter anderem für Ben Stiller, Conan O’Brien oder Tenacious D, aber auch diverse Fernsehfilme. Träumten Sie damals von einer goldenen TV-Ära, wie wir sie gerade erleben?
Bob Odenkirik?Im Leben nicht. Aber ich glaube, dass damals kein Drehbuchautor sich vorstellen konnte, dass mal eine solche Zeit kommen würde und TV-Schreiber derart gefeiert werden. Ich selbst schon mal gar nicht, denn ich war in erster Linie für Sketch-Shows tätig, bei denen meine größten Träume schon waren, dass man ein bisschen mehr Zeit für einen Sketch hat und vielleicht eines Tages eine Show von Monty Python-Qualität meinen Weg kreuzt. Das, was dann mit den „Sopranos“ begann und mit Serien wie „Mad Men“ oder „Breaking Bad“ fortgesetzt wurde, schien vor 20 Jahren noch unvorstellbar. Ich will mich heute noch manchmal kneifen, weil ich gar nicht glauben kann, wie viele gut geschriebene Serien es mittlerweile gibt. Man kommt ja kaum noch hinterher.

tip Mittlerweile spielen Sie in „Better Call Saul“ sogar die Hauptrolle in einer solchen Serie, wurden für den Emmy und den Golden Globe nominiert. Fühlen Sie sich also inzwischen endlich auch als echter Schauspieler?
Bob Odenkirik?Es wäre gelogen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich das Gefühl habe, tatsächlich inzwischen ein besserer Schauspieler zu sein als früher. Schon allein, weil ich es so viel öfter und regelmäßiger mache. Allerdings muss ich das Verdienst daran eigentlich Vince Gilligan, Peter Gould und den „Better Call Saul“-Autoren zuschreiben. Denn bei den Herausforderungen, die die mir immer wieder in Skript-Form vorlegen, kann ich gar nicht anders, als darstellerisch noch eine Schippe draufzulegen. Was allerdings trotzdem nicht heißt, dass ich mir sicher bin, bei den Emmys wirklich in eine Reihe mit Jon Hamm, Kevin Spacey und Jeff Daniels zu gehören. Aber es ist mir eine riesige Ehre – und ich tue ohne Frage mein Bestes.

tip Nicht so bescheiden! Saul alias Jimmy McGill würde es ohne Sie schließlich nicht geben!
Bob Odenkirik?Na ja, es beginnt aber eben doch alles mit dem, was die Autoren zu Papier bringen. Ich denke mir für die Figur nichts aus, was ich nicht in irgendeiner Form im Skript finde. Ansonsten müssten Sie sicherlich Peter und Vince fragen, was mein Anteil am Erfolg dieser Figur ist. Irgendetwas scheinen sie ja damals bei „Breaking Bad“ plötzlich in ihr – oder mir – gesehen zu haben, was sie auf die Idee brachte, Saul Goodman eine ganze Serie zu widmen. Vielleicht habe ich ihn etwas weniger eindimensional gespielt als sie erwartet hatten? Was für mich aber eine Selbstverständlichkeit war, denn um eine gewisse Empathie für ihn zu entwickeln, musste ich ihn zu einem echten, komplexen Menschen machen.

tip Am Anfang mochten Sie Saul nicht?
Bob Odenkirik?Natürlich nicht! Dieser Typ machte keinen Hehl daraus, wer er ist, aber ein wirklich sympathischer, anständiger Kerl war er ja nicht gerade. Aber genau wie Peter und Vince und eben auch das Publikum habe ich ihn mit der Zeit immer besser kennen- und lieben gelernt. Vermutlich haben einige am Anfang „Better Call Saul“ eingeschaltet in der Hoffnung, absurde Geschichten eines lustigen, aalglatten Anwalts zu sehen. Und waren dann überrascht, einen sympathischen Mann zu erleben, der versucht, seine Familie zu schützen und den Respekt seines Umfelds zu erlangen. Kaum jemand wird wohl anfangs damit gerechnet haben, ihn so sehr zu mögen. Ich jedenfalls nicht.

Interview: Patrick Heidmann

Foto: Ben Leuner / 2015 AMC Network Entertainment LLC and Sony Pictures Television Inc.


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