Berlinale 2016

Kevin Spacey und Jeremy Irons über „Margin Call“

Margin Call

Am Freitagabend (11.2.) feiert mit „Margin Call“ der erste Film in der Konkurrenz des Wettbewerbs seine internationale Premiere. Die Hauptdarsteller Kevin Spacey und Jeremy Irons ließen es sich nicht nehmen, ihren Film über die Finanzkrise persönlich auf der Berlinale vorzustellen.
Auf der Pressekonferenz am Vormittag betonte Spacey, dass es für ihn eine Herausforderung gewesen sei, einen Banker mit menschlichen Zügen zu spielen. Er halte den Film schon allein deshalb für wichtig, weil die Finanzkrise auch auf die Filmindustrie nicht unerhebliche Auswirkungen gehabt habe. Er sei heute schwieriger, Gelder für ein ambitioniertes Filmprojekt aufzutreiben. „Trotzdem bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass es für gute Stoffe immer Geld geben wird.“, sagte der US-Schauspieler.
Sein Kollege Jeremy Irons sagte, dass auch die heutige Auffassung von Moral ein wichtiges Thema von „Margin Call“ sei. Irons auf der Pressekonferenz: „Wir brauchen wieder mehr Moral in der Welt. Jeder guckt nur noch auf sich selbst und danach, ob er einen Job und ein Dach über dem Kopf hat. Alles Andere rückt dann schnell in den Hintergrund.“ Bezogen auf das Beispiel seines Kollegen Spacey betonte Irons, dass dies im Filmbusiness nicht anders sei. „Kein Studioboss der Welt macht heute mehr einen Film, weil er sich sagt, dass ihm das Thema wichtig ist. Filme werden doch heute nur noch gemacht, um damit Geld zu verdienen.“
Regisseur JC Chandor möchte seinen Film daher auch nicht so verstanden wissen, dass es ihm nur um die Gier der Finanzwelt ginge. „Gier ist ein Problem unserer amerikanischen Gesellschaft.“, sagte der Filmemacher. Trotzdem sei „Margin Call“ keine Kritik am Kapitalismus an sich, sondern lediglich die Kritik an einer bestimmten Phase des Kapitalismus.
Zum Abschluss der Pressekonferenz ging Kevin Spacey auch auf den iranischen Regisseur Jafar Panahi ein, dessen Platz in der Jury der Berlinale dieses Jahr freigehalten wird, weil ihm die Ausreise aus seinem Heimatland verweigert wurde. „Ich bin mir bewusst,“, sagte Spacey, „dass es ein langer Prozess ist, ehe auch die Leute im Iran oder in China merken, wie wichtig Menschenrechte und freie Meinungsäußerung sind. Aber gerade deshalb dürfen wir nicht aufhören, darauf aufmerksam zu machen. Es ist eine Schande, dass Jafar Panahi nicht hier sein kann.“

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