Berlinale 2016

„Knight of Cups“ von Terrence Malick im Wettbewerb

Terrence Malick arbeitet sein Leben lang im Grunde an nur einem Film, den er in verschiedenen Variationen immer wieder neu montiert: Im Mittelpunkt steht der Mensch, der in ein Dasein geworfen wurde, das ihn dimensional weit übersteigt und dass er auf seine bescheidenen Weisen zu begreifen sucht. Der amerikanische Regisseur, Jahrgang 1943, hat erst nach Umwegen über die Philosophie und den Journalismus begonnen, seine großen Fragen im Kino zu stellen. Die unverwechselbare Formensprache, die er dabei seit „Badlands“ und „Days of Heaven“ entwickelt hat und die er nach jahrzehntelanger Arbeitspause in Filmen wie „Thin Red Line“ oder „The Tree of Life“ verfeinerte – erlaubt seinen Erzählungen, beliebig zwischen mikroskopischen Details und großen Gedanken über das Alpha und Omega unserer Welt zu wechseln.Auch sein Berlinalebeitrag „Knight of Cups“ variiert die Grundthemen immer wieder in einer Manier, die nicht wenige Zuschauer der Pressepremiere offensichtlich auch als ermüdend empfanden. Dass es einen nur sehr dünnen narrativen Faden gibt, auf dem die Begegnungen eines von Christian Bale gespielten Hollywoodregisseurs mit seinen hübschen Lebensfrauen und markigen Lebensmännern aufgefädelt werden, darf einen nicht stören, ebenso wenig, dass diffuse, spirituelle Krisen hier allemal wichtiger sind als Finanzprobleme im Alltag von Los Angeles. Darin liegt eine Beschränktheit, aber auch eine unbestreitbare Größe. Malick verteidigt eine spektakuläre Außenseiterposition: sein Kino ist ganz nahe am First-Person-Cinema der 60er-Jahre-Avantgarden, vertraut mit einer intimen Grammatik, wie sie die Filme von Brakhage oder Jonas Mekas entwickelt haben, und übt sich zugleich im hohen Ton einer episkopalen Predigt an die Menschheit, für die er gerne auch göttliches Footage der NASA benutzt oder wie hier nun die Star-Aura von Cate Blanchett oder Natalie Portman. Die Figuren haben kaum vorgeschriebene Dialoge, sie bewegen sich auch in „Knight of Cups“ durch Sequenzen, in denen der Mehrwert durch Kommentarstimmen, Literaturzitate und natürlich die bestimmende Orchestertonspur kommt, in der sich der symphonische Aufbau von Malicks Filmerzählungen spiegelt. Ein sinnliches Vergnügen ist das allemal – für die geforderte Andacht aber muss man die nötige Bereitschaft schon mit bringen.   

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: Melinda Sue Gordon/ Dogwood Pictures

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Termine: Knight of Cups

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