Berlinale 2016

„Kollektivet“ – „Die Kommune“

Kopenhagen Mitte der 70er-Jahre. Der Architekturdozent Erik (Ulrich Thomsen) stand zwar mit seinem Vater immer auf Kriegsfuß, hat aber dennoch von ihm dessen riesiges Haus am Stadtrand geerbt. Da kommt seiner Frau Anna (Trine Dyrholm) die Idee: Lass uns eine Wohngemeinschaft gründen! Denn nur dann ist das Wohnen in der Villa auch zu finanzieren. Die pubertierende Tochter Freja (Martha Sofie Wallstrшm Hansen) ist auch dafür, und schon bald finden sich einige Freunde von früher, die bereit sind, sich auf das Wohnexperiment einzulassen.
So weit, so gut. Doch Vinterberg interessiert sich fortan weniger für das Leben der Menschen im Haus, in dem über alles diskutiert und abgestimmt wird, sondern konzentriert sich mehr auf das Ehepaar Anna und Erik. Letzterer fängt eine Affäre mit der hübschen, deutlich jüngeren Studentin Emma (Helene Neumann) an. Und – wir sind schließlich in den 70ern – er berichtet seiner Frau von seiner Liebsten. Und was macht Anna? Sie schlägt vor, dass Emma mit in die Kommune einzieht – wir sind ja in den 70ern.
Und so mutiert der eindringlich inszenierte Film vom tragikomischen Kommunen-Szenario hin zum Ehedrama. Das ist ein wenig schade, aber packend erzählt. Übrigens: In den 80ern hätte Anna ihrem Mann einfach die Leviten gelesen. Da hatte man nämlich kapiert, dass Freiheit nicht alles einschließen kann.

Text: Martin Schwarz

Foto: Prokino Filmverleih

Kollektivet DK/S/NL 2016, 111 Min., R: Thomas Vinterberg, D: Ulrich Thomsen, Trine Dyrholm, Helene Neumann

Termine für „Kollektivet“ – „Die Kommune“

Mehr über Cookies erfahren