Berlinale 2016

Koreanisches Kino auf der Berlinale 2011

Chang-Pi-Hae (Ashamed)

Spätherbst in Seattle. Das trüb-neblige Wetter in „Man Chu“ (Late Autumn) entspricht der gedrückten Stimmung von Anna, die gegen Kaution Freigang aus dem Gefängnis erhält, um dem Begräbnis ihrer Mutter beizuwohnen. Sieben Jahre zuvor tötete Anna ihren Mann, nachdem er sie mißhandelt hatte. Beim Bummel durch die Stadt freundet sich die US-Chinesin zögerlich mit dem Koreaner Hoon an, ein eitler Geck, der als Gigolo jobbt. Trotz ihrer gegensätzlichen Charaktere – sie still und zurückhaltend, er aufdringlich und eingebildet – verlieben sich die beiden. Am Ende dieser mit Tang Wei (bekannt durch ihre Hauptrolle in Ang Lees „Gefahr und Begierde“) sowie dem koreanischen Filmstar und Fotomodell Hyun Bin attraktiv besetzten Romanze in Moll wird Anna aus der Haft entlassen, während Hoon hinter Gittern sitzt für einen Mord, den er nicht beging. Hyun Bin spielt auch eine Hauptrolle in „Come Rain, Come Shine“ von Lee Yoon-ki, dessen weibliche Charakterstudien „This Charming Girl“ und „Ad Lib Night“ 2005 bzw. 2007 im Forum gezeigt wurden, und der es nun in den Wettbewerb geschafft hat mit einem Beziehungsdrama über eine Trennung mit Hindernissen. Ebenfalls um Liebesverlust, allerdings auf stilistisch ganz andere, exzentrische Art und Weise geht es in „Ashamed“, einem wortreichen und zum Teil surrealen Lichtspiel über lesbische Liebe. Konsequent vermeidet der Autorenfilmer Kim Soo-hyun konventionelle Erzählstrukturen und experimentiert mit unvermittelteten Ortswechseln, Zeitsprüngen, absurden Situationen, Softsexszenen, Splitscreen und krassen Montagen.
Man ChuFormal genauso weitab vom Mainstream-Kino, aber auf ausgesprochen tempo- und einfallsreiche, witzige Weise inszeniert ist „Self Referential Traverse: Zeitgeist and Engagement“, eine Mischung aus Puppenspiel und Realfilm – furios geschnittene, anarchische Horrorvisionen aus einem der für Korea typischen Wohnhochhäuser. Podori, die auf Postern und Mitteilungen landesweit verbreitete Werbefigur der koreanischen Polizei, kämpft in Gestalt einer Plastikpuppe mit Polizeiknüppel, Wasserwerfer und Staubsauger gegen Heerscharen von gefräßigen Ratten sowie aufgebrachte Nachbarn in diesem mit Abstand originellsten koreanischen Filmbeitrag der Berlinale, ein im Grunde unbeschreibliches filmisches Kuriosum.
Ein gewalttätiger Kommissar verstrickt sich in betrügerische Machenschaften in „The Unjust“, einem systemkritischen Krimi voller Lärm und Wut, über Schiebung, Korruption und pervertierten Korpsgeist bei der koreanischen Kripo, sowie über das Gangsterunwesen in der Bauwirtschaft. Bei fingierten Ermittlungen im Fall eines Serienkillers gerät der Cop auf Konfrontationskurs mit einem cholerischen Staatsanwalt, bis er verzweifelt ums eigene Überleben ringen muss. Alles andere als korrekt verhält sich auch der Polizist in „Dance Town“, als er nach einer gemeinsamen Sauf-Tour nachts auf offener Straße eine Bekannte vergewaltigt, die volltrunken zusammengesackt ist. Die Frau war aus Nordkorea nach Seoul geflüchtet und stellt bald fest, dass es Armut und Unrecht auch im kapitalistischen Süden gibt, „wo nur die reichen Bastarde gut leben“, wie es ein Querschnittsgelähmter ausdrückt, der wegen seiner Behinderung keine Wohnung finden kann und Selbstmord versucht.

Text: Ralph Umard

Man Chu (Late Autumn) (Forum)
15.2., 18.45, Delphi
17.2., 20.00, Colosseum 1
18.2., 15.15, Arsenal 1
19.2., 22.15, Cubix 9

Saranghandha, Saranghaji Anneunda (Come Rain, Come Shine) (Wettbewerb)
17.2., 16.30, Berlinale Palast
18.2., 9.30, Friedrichstadtpalast
18.2., 22.30, International
18.2., 22.30, Urania
20.2., 18.00, Berlinale Palast

Chang-Pi-Hae (Ashamed) (Panorama)
14.2., 21.30, CinemaxX 7
15.2., 20.15, CineStar 3
16.2., 22.30, Cubix 7+8
17.2., 22.30, Colosseum 1
19.2., 19.00, CinemaxX 7

Jagadangchak: shidaejeongshin kwa hyeonshilchamyeo (Self Referential Traverse: Zeitgeist And Engagement) (Forum)
14.2., 16.30, Delphi
16.2., 22.30, Arsenal 1
17.2., 15.00, Cubix 7i

Bu-dang-geo-rae (The Unjust) (Panorama)
11.2., 21.30, CinemaxX 7i
12.2., 22.45, CineStar 3
13.2., 20.00, Cubix 7+8
15.2., 22.30, Colosseum 1
20.2., 17.00, Cubix 9

Dance Town (Panorama)
11.2., 22.45, CineStar 3
12.2., 17.45, CineStar 3
17.2., 19.00, CinemaxX 7
18.2., 22.45, CineStar 3
19.2., 20.15, Cubix 7+8

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