Berlinale 2016

„Les contes de la nuit“ im Wettbewerb der Berlinale 2011

Les contes de la nuit

Bei uns ist Michel Ocelot vor allem mit seinen beiden „Kiriku“-Filmen aus den Jahren 1998 und 2005 bekannt geworden, in denen der französische Animationsregisseur, der seine Kindheit in Guinea verbracht hatte, westafrikanische Märchenmotive verarbeitete. Dem Märchen bleibt Ocelot auch in seiner neuen Arbeit „Les contes de la nuit“ verbunden, allerdings erweitert sich das Spektrum nun auf verschiedene Kontinente und Epochen. Verbunden durch eine Rahmenhandlung, in der sich ein Junge und ein Mädchen in einem alten Kino Geschichten ausdenken, entfalten sich Episoden (eine Struktur, die auch auf die Verwendung einiger dieser Stories in der Fernsehserie „Dragons et princesses“ zurückgeht) um Werwölfe, verwunschene Prinzessinnen und sprechende Pferde an Schauplätzen, die von einem karibischen Totenreich bis nach Tibet oder auch in das Europa des Mittelalters reichen: charmante kleine Erzählungen, in denen gern der gesunde Menschenverstand der Helden über Zauberei und Aberglauben triumphiert.
Zum Erzählen seiner Geschichten bedient sich Ocelot der alten Animationstechnik des Scherenschnitts, die er nun in das 3D-Zeitalter transferiert hat. Interessanterweise gelingt es ihm auch in diesem unkonventionellen Format, sich selbst ganz treu zu bleiben: Die 3D-Technik wird ausschließlich zur Erzeugung räumlicher Tiefe verwendet, dabei bleiben die Hintergründe jedoch eher flächig und stilisiert – an plastisch-„realistischer“ Illusion war Ocelot noch nie interessiert. Die schwarzen Flächen der Figurensilhouetten des Vordergrunds kontrastieren nunmehr mit den in kräftigen Farben gestalteten und in die Tiefe gestaffelten Hintergründen und erzeugen dabei Bilder von einer strahlenden Leuchtkraft, wie man sie so bislang im Animationsfilm noch nicht gesehen hat.
Dass man die Sache mit der Technik allerdings gar nicht so ernst nehmen solle, mahnte Ocelot dann in der Pressekonferenz zu seinem Film an: Zwar bediene er sich gern dieser neuen Ausdrucksformen, doch wichtiger sei im Zweifelsfall immer noch der Gehalt eines Films. Und dann erinnerte er an eine der Episoden aus „Les contes de la nuit“: Da entdeckt ein junger afrikanischer Trommler, dass es gar nicht die vermeintliche Zaubertrommel ist, die Wunder tut, sondern seine Hände.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Les contes de la nuit, Frankreich 2011; Regie: Michel Ocelot; 84 Minuten

Les contes de la nuit (Wettbewerb)
14.2., 10.00, Urania
14.2., 20.00, Urania
20.2., 10.00, Berlinale Palast

Die Filmkritiken aller bereits gezeigten Wettbewerbsfilme in der Konkurrenz finden Sie in unserem Archiv:
Unser Berlinale-Archiv 2011

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