Berlinale 2016

„Margin Call“ im Wettbewerb der Berlinale 2011

Margin Call

Das Gespenst des Kapitals hat das Kino erreicht: „Margin Call“ (Regie und Buch: JC Chandor) blickt kühl  ins Innere eines vor dem Ruin stehenden Investmentunternehmens, lotet die 2008 jäh um sich greifende Panik, die Machtspiele und Schadensbegrenzungstaktiken aus – in einer Erzählung von Hochrisiko-Management, Massenkündigungen und Millionen-Bonuszahlungen. Chandors extratrockene Inszenierung mag nicht viel Neues über Wesen und Wirkung des Geldmarktkollaps zu sagen haben, aber sie kommt der Sprachgewalt früher David-Mamet-Arbeiten zumindest nahe. Das Darsteller-Ensemble um Kevin Spacey, Paul Bettany und Demi Moore agiert kühn gedrosselt – und damit umso schlagkräftiger. Nur Jeremy Irons schmeckt die Worte ab, als wäre er das Zentrum eines Shakespeare-Königsdramas. Die theatralische Form fügt sich Chandors minimalistischer Erzählung indes passgenau: „Margin Call“ ist ein Lehrstück zum globalen Finanz-Albtraum, ein abstrakter Thriller, jenseits von Gut und Böse.

Text: Stefan Grissemann

tip-Bewertung: sehenswert

Margin Call, USA 2010; Regie: JC Chandor; Darsteller: Kevin Spacey (Sam Rogers), Jeremy Irons (John Tuld), Demi Moore (Sarah Robertson), Paul Bettany (Will Emerson), Zach Quinto (Peter Sullivan); 110 Minuten

Margin Call (Wettbewerb)
12.02., 12.00, Friedrichstadtpalast
12.02., 20.00, Urania
12.02., 23.00, Friedrichstadtpalast
20.02., 22.20, Friedrichstadtpalast

Die Filmkritiken aller bereits gezeigten Wettbewerbsfilme in der Konkurrenz finden Sie in unserem Archiv:
Unser Berlinale-Archiv 2011

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