Berlinale 2016

„Midnight Special“

Mitten in der Nacht verfrachten zwei Männer einen schmächtigen Jungen in ein Auto und machen sich davon. Da sind ihnen die Polizei und das Fernsehen schon mächtig auf den Fersen. Was hat es mit dem kleinen Alton auf sich?
Wie sich in Jeff Nichols’ „Midnight Special“ bald herausstellt, hat er so etwas wie das dritte Auge oder aber eine elektromagnetisch gepolte Superkraft. Er stand im Mittelpunkt eines Kults auf einer Ranch, auf der sich Menschen Ziffernkombinationen wie geheime Botschaften zuriefen. Das ist alles mächtig mysteriös, doch der versierte Autorenfilmer Nichols („Shotgun Stories“, „Take Shelter“) erzählt das alles lange Zeit überzeugend aus der Perspektive der Figuren heraus. So erweist sich „Midnight Special“ als das spannende Protokoll eines rätselhaften Geschehens, dem nicht zuletzt die umstrittene Sicherheitsbehörde NSA ziemlich perplex gegenübersteht.
Doch wie bei so vielen Geschichten, die an der Grenze zur Science Fiction oder gar zur Metaphysik ihr Spiel mit der Zweideutigkeit treiben, muss auch Nichols irgendwann seine Karten zeigen: Das Schicksal von Alton bekommt zum Ende hin eine Erklärung und einen Zusammenhang, der „Midnight Special“ auf eine andere Ebene hebt – man mag sich an James Camerons lichtseliges Unterwasserspektakel „The Abyss“ erinnert fühlen, wenn man nicht gleich an Steven Spielbergs „E.T.“ denkt. Wie schon in „Take Shelter“ geht Nichols mit seinem großen Finale deutlich zu weit. Doch mit jedem anderen Ende hätte er wohl den Anschein erweckt, er hätte gekniffen. Deswegen: Augen auf, und durch!

Zwiespältig

Text: Bert Rebhandl

Foto: Warner Bros. Pictures Germany

Midnight Special USA 2015, 112 Min., R: Jeff Nichols, D: Michael Shannon, Kirsten Dunst, Joel Edgerton

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