Berlinale 2016

„Queen of the Desert“ von Werner Herzog im Wettbewerb

Das Thema drängt den Vergleich mit Isabel Coixets misslungenem Berlinale-Eröffnungsfilm „Nobody Wants the Night“ geradezu auf: Stapfte bei Coixet die Gattin des Arktisforschers Robert Peary zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Eiswüsten Grönlands, so lässt Werner Herzog in „Queen of the Desert“ die britische Forschungsreisende Gertrude Bell (Nicole Kidman) etwa zum gleichen Zeitpunkt Arabiens Wüsten per Dromedar durchqueren. Und eines lässt sich definitiv feststellen: Herzogs Film sieht deutlich besser aus. Statt peinlichem Pappmachй-Grönland bietet „Queen of the Desert“ wenigste“ns ein attraktiv fotografiertes Vor-Ort-Bild der Schauplätze in Jordanien.
Wer von dem Film allerdings einen der extremen Selbsterfahrungstrips erwartet, für die Werner Herzog einst berühmt war, wird enttäuscht. „Queen of the Desert“ präsentiert sich als ausnehmend altmodische und konventionelle Mixtur aus Liebesmelodram und Wüstenabenteuer, die weder die Faszination der Hauptfigur für Region und Landschaft hinreichend zu erklären vermag noch einen Sinn für die erheblichen Gefahren ihrer Reisen vermittelt. Da sich der Film auch nicht für die politischen Implikationen seiner Geschichte interessiert – Bell war als eine der wenigen intimen Kennerinnen der komplizierten Beziehungsgeflechte arabischer Beduinenstämme nicht unwesentlich in die Neuordnung der arabischen Welt nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reichs verwickelt -, geht es im Grunde um nichts: Nicole Kidman erweckt den Eindruck einer gelangweilten höheren Tochter auf Kaffeefahrt. Das ist allenfalls milde unterhaltsam und hübsch anzusehen, mehr nicht.

Text: Lars Penning

Foto: 2013 QOTD Film Investment Ltd. All Rights Reserved

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Termine: Queen of the Desert

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