Berlinale 2016

Retrospektive: Ingmar Bergman

PersonaPERSONA – ein Psychodrama, das die Persönlichkeiten einer Schauspielerin und ihrer schizophrenen Krankenschwester miteinander verschmilzt. „Während wir auf Fеrö waren, schickten wir diese Sequenz ins Labor, wo die dunkle Seite des Gesichts der einen durch die helle Seite des Gesichts der anderen ergänzt werden sollte. Die Muster kamen zurück und ich bat die Mädchen, mal zu kommen und sich etwas Lustiges am Schneidetisch anzusehen – eine Überraschung. Dann zeigten wir ihnen das Ergebnis und Liv rief: ‚Aber da ist ja ein scheußliches Bild von Bibi!‘ Und dann sagte Bibi: ‚Nein, das bin ich doch nicht, das bist du!'“ (Bergman)

HerbstsonateHERBSTSONATE – eine Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter in eindringlichen Großaufnahmen: Ingrid Bergman als mondäne Pianistin mit damenhafter Betonfrisur und Liv Ullmann als altbackene Pfarrersfrau. „Wir wollten die ‚Herbstsonate‘ besprechen. Ingrid Bergman las ihre Rolle mit Donnerstimme vor, mit Gesten und Mienen. Sie hatte alles schon vor dem Spiegel eingeübt und festgelegt. Das war ein Schock für mich. Ich bekam Kopfschmerzen, das Scriptgirl ging auf den Treppenabsatz hinaus und weinte vor Entsetzen: So viele falsche Töne hatte seit den dreißiger Jahren kein Mensch mehr gehört.“ (Bergman)

Das siebente SiegelDAS SIEBENTE SIEGEL – Im Angesicht von apokalyptischen Kriegen und Seuchen macht sich der Ritter Antonius auf die Suche nach Gott. Der ist allerdings – typisch Bergman – nicht daheim. Stattdessen treffen der Ritter und seine Freunde, darunter eine Gauklertruppe mit der jungen Mia (Bibi Andersson),  nur auf den Tod. Die Frage nach dem Sinn des Lebens bleibt unbeantwortet. „Überhaupt ist dieses Theaterensemble angenehm: die unneurotische, etwas barbarische, völlig ungehobelte Schauspielertruppe mit Jof und Mia und dem Raufbold Skat.“ (Bergman)

Die Zeit mit MonikaDIE ZEIT MIT MONIKA – „Ich war eigentümlich verliebt in Harriet und wir hatten sehr eingehende Kleiderproben!“ (Bergman) In seinem düster-leuchtenden Drama analysiert Bergman die Beziehung eines Paares, das den Belastungen des Alltags nicht standhält. Das Leben als Ehefrau und Mutter ist nämlich nichts für die selbstsüchtige Monika (Harriet Andersson), die ihren Gatten, den sie bei einem Ferienflirt kennengelernt hatte, schließlich mit dem Kind sitzen lässt. Faszinierend ist dabei sowohl die freizügige Erotik Anderssons als auch der unbedingte Freiheitswille ihrer Figur, die sich nicht ins gutbürgerliche Korsett pressen lässt.

Das SchweigenDAS SCHWEIGEN – „Es gibt wenig Dialoge in ‚Das Schweigen.'“ (Bergman) Bei seiner Erstaufführung im Jahr 1963 der bis dato am heftigsten umstrittene Film Bergmans: Kaum jemand verstand, was er mit seinem Drama um die Hassliebe der Schwestern Esther (Ingrid Thulin) und Anna (Gunnel Lindblom) wohl hatte ausdrücken wollen. Dass der Film trotzdem ein großer Erfolg wurde, hing eher mit einigen Darstellungen trister sexueller Handlungen zusammen. „Nach dem ‚Schweigen‘ erhielt ich einen anonymen Brief, der ein schmutziges Stück Klopapier enthielt; dieser heute so unschuldige Film traf damals also ganz schön hart.“ (Bergman)

Text: Lars Penning

Fotos: 1966 AB Svensk Filmindustri, 1978 AB Svensk Filmindustri / Arne Carlsson, 1953 AB Svensk Filmindustri / Louis Huch, 1963 AB Svensk Filmindustri

Retrospektive Ingmar Bergman
Programm und Infos siehe tip-Extra „Berlinale Komplett“ auf Seite 52

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