Berlinale 2016

„Taxi“ von Jafar Panahi im Wettbewerb

„Taxi“, Panahis jüngstes, wieder in den Wettbewerb der Berlinale geschmuggeltes Werk, weicht gewitzt in Guerilla-Dreharbeiten in einem Taxi aus, das einen Vormittag lang durch Teheran kurvt, Jafar Panahi persönlich am Steuer, die Kamera wie ein getarntes GPS auf den Fahrgastraum gerichtet, in dem sich Zufallsgäste und Bekannte einfinden. Eine Lehrerin und ein „Freiberufler“ streiten sich, ob Autoreifenklau ein Delikt sei, das die von den Scharia-Wächtern oft verhängte Todesstrafe verdient. Ein kauziger DVD-Dealer will den Regisseur in seine funktionierenden Untergrundgeschäfte hineinziehen, ein Filmstudent, der ein „zeigbares“ Sujet sucht, bittet um Rat. Zwei Frauen mit einem Glas voller Fische sorgen für wunderbar entspannte Slapstick-Momente. „Hoheit“, die vorlaute kleine Nichte, verwickelt den Filmemacher in ihre eigenen Dreharbeiten für den Filmkurs ihrer Schule, aber auch in die absurde Debatte über den Kanon des Erlaubten, der ihr vorgegeben ist. Die Realität, wie sie von Panahis Zeitgenossen in den zensurfreien Binnenraum des Taxis getragen wird, erzählt vom Aberwitz der Verhältnisse, anders als die schönredenden Normen der Gesinnungspolizei. Mit einem brillant verdichteten Drehbuch gelingt „Taxi“ ein lebendiges Stimmungsbild seiner Stadt, voller Galgenhumor und Angst.“

Text: Claudia Lenssen

Foto: Jafar Panahi

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Termine: Taxi

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