Berlinale 2016

„Tropa de Elite 2“ von Josй Padilha

Tropa de Elite 2

Viel wurde vor drei Jahren geredet und gestritten: Ist der brasilianische Wettbewerbsbeitrag „Tropa de Elite“ eine schonungslose Demaskierung von Rios brutaler Polizei-Sondereinheit BOPE oder doch Huldigung der faschistoiden Truppe? Filmemacher Josй Padilha kann die Irritation durchaus verstehen. „Der Film setzt eine gewisse Abstraktion voraus“, erklärt der 43-Jährige, die Hauptfigur, BOPE-Offizier Nascimento (Wagner Moura), sei ja kein Sympathieträger. „Wenn er das Publikum durch Favelas und die gewalttätige Welt der Polizei von Rio führt, wird klar, dass er selber Teil des Problems ist, seine Sicht ist einseitig und geprägt von Selbstbetrug. Viele Zuschauer haben das verstanden, einige leider nicht.“
Tropa de Elite 2Dieser erzählerische Anspruch hat „Tropa de Elite“ nicht geschadet. 2008 gab es für den Film den Goldenen Bären und gute Kritiken, international war der Film (vermarktet als ultra-brutaler Action-Reißer) auch kommerziell ein großer Erfolg. „Natürlich hat mir die Aufmerksamkeit geholfen“, sagt Padilha, „es gab für mich viele Angebote.“ Auch Hollywood interessiert sich für ihn, im Gespräch sind einige Studio- und Independent-Produktionen. Zunächst hat Padilha in Brasilien weitergearbeitet. „Mir war es wichtig, zwei Dokumentarfilme zu drehen und eine Fortsetzung von ‚Tropa de Elite‘.“ Der zweite Teil schließt nahtlos an den ersten an, auch wenn in der Geschichte 13 Jahre vergangen sind. Nascimento, inzwischen BOPE-Chef, glaubt immer noch an das Ehrenhafte seiner Truppe. Nach einer von seinen Leuten blutig niedergeschlagenen Gefängnisrevolte wird Nascimento in den gehobenen Bürodienst wegbefördert: Seine Frau lebt mit dem Soziologen Fraga (Irandhir Santos), sein Sohn hält ihn für einen Faschisten, sein BOPE-Kollege Matias (Andrй Ramiro) für einen Verräter, seine Vorgesetzten für einen Problemfall. Doch in „Tropa de Elite 2“ geht es nicht nur um private Fragen: Nach einem fingierten Überfall auf eine Polizeistation eliminiert BOPE die Bandenchefs in Rios Armenvierteln, ihre Rolle wird von korrupten Polizisten übernommen. Die verdienen nicht nur gut am Elend, sondern beschaffen gewogenen Politikern auch Schwarzgeld und die Wählerstimmen der drangsalierten Favela-Bevölkerung. Das Netz aus Verschwörungen und Korruption ist eng und reicht weit, langsam geht auch Nascimento auf, dass er längst Erfüllungsgehilfe der Anzugträger ist. Zu seinem einzigen Verbündeten wird ausgerechnet Fraga, der verachtete Linksliberale.
Padilha erzählt das schlüssig und nicht ohne plakative Momente als Abrechnung mit einem maroden System. Er betont, bei allem Realitätsbezug nicht bestimmte Einzelpersonen und -fälle aufgegriffen zu haben, eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Missständen sei nötig. „Der politische Aspekt der ‚Tropa‘-Filme hat zu ihrer Popularität beigetragen, die Brasilianer wollen eine offene Debatte über Probleme“, meint Padilha, „auch wenn viele Politiker gern darauf verzichten würden“.

Text: Thomas Klein

Tropa de Elite 2 — o inimigo agora й outro (Panorama)
11.2., 18.00, Friedrichstadtpalast
12.2., 10.30, CinemaxX 7
12.2., 21.30, Die Kurbel
13.2., 14.30, Cubix 9
18.2., 18.00, Friedrichstadtpalast

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