Berlinale 2016

„Un Mondo Misterioso“ im Wettbewerb der Berlinale 2011

Un Mondo Misterioso

Wenn Schluss ist mit einer Beziehung, eröffnet sie sich wieder: die vorübergehend geschlossene Single-Welt mit ihren Freiheiten und Herausforderungen. Denen steht auch Boris in Rodrigo Morenos „Un Mondo Misterioso“ wieder gegenüber, denn Ana will eine Auszeit. Wie lange die sein soll, weiß sie noch nicht. Also zieht Boris erstmal aus und in ein Zwei-Sterne-Hotelzimmer. Was dann folgt, ist treiben lassen: Herumlatschen. Frauen im Bus angucken. Ein Weißbrot mit Ketchup essen. Ein Auto kaufen, das wie ein Renault aussieht. Herumfahren. Noch weiter herumfahren. Bis das Benzin alle ist. Auf einer Party kiffen. Kuscheln mit einem fremden Mädchen. Ein bisschen knutschen. Wieder herum latschen – diesmal hinter hübschen Frauen her. Irgendwann fährt Boris mit dem Schiff nach Uruguay, um Freunde zu besuchen, die dort im Urlaub sind. Als er sie nicht erreicht, fährt er wieder zurück nach Argentinien. Dann ist das Auto kaputt. Es wird repariert und dann geklaut. Am Ende schließt sich ein Kreis – irgendwie.
Diese minimalistische Urbanodyssee wird beim Zuschauen allerdings zu endlos zerdehnter Zeit in endlos langen Kameraeinstellungen. „Warum muss auch immer etwas passieren? Ich finde es gut, wenn nichts passiert“, sagt Boris in einer Szene zu einem Buchhändler. Es ist die einzige, in der zumindest einmal so etwas wie lakonischer Humor aufblitzt, als plötzlich Gerardo neben ihm steht, ein alter Freund, der jetzt nicht mehr bei seinen Eltern, sondern seine Eltern bei ihm wohnen. Seinen neu gewonnen Freiheiten begegnet Boris derweil mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck: ungerührt, unemotional, gleichgültig. Rätselhaft ist diese Welt, die er erlebt, dabei nicht. Stattdessen beobachtet man in „Un Mondo Misterioso“ alltägliche Ereignislosigkeit, die auch tatsächlich langweilig ereignislos ist. Ohne Ideen. Ohne Belang.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Uninteressant

Un Mondo Misterioso (Argentinien/Deutschland, 2011); Regie: Rodrigo Moreno; Darsteller: Esteban Bigliardi (Boris), Cecilia Rainero (Ana), Rosario Blйfari (Ingrid); 107 Minuten

Un Mondo Misterioso (Wettbewerb)
17.02., 15.00, Friedrichstadtpalast
17.02., 20.00, Urania
20.02., 20.00, Berlinale Palast

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