Berlinale 2016

„Vergine Giurata“ von Laura Bispuri im Wettbewerb

Vergine Giurate

„Außerhalb dieser Berge bin ich nichts“, sagt Hana (Alba Rohrwacher). Die Berge sind irgendwo im albanischen Hinterland, Hana lebt hier schon seit Jahren allein. Das Klima ist hart, es gibt viel Schnee, starkes Wasser und Wild. Hana ist eine, die mit solchen Bedingungen zurechtkommt, eine zierlich-zähe Frau. Doch etwas fehlt: Einmal sieht man sie, wie sie ihren Unterleib gegen eine Matratze presst, ihn rhythmisch zu bewegen beginnt. Kurz danach trifft in Mailand ein Bus aus Tirana ein, und in ihm sitzt Hana.
Sie hat sich auf den Weg zu ihrer Schwester gemacht, die mit Mann und Tochter in einem kleinen Apartment wohnt. Hierhin zieht es sie, obwohl es eigentlich nicht genügend Platz gibt. Ein gewaltiger Kontrast zu den weiten Bergwelten. Die Enge, die Menschen – das ist nicht, was Hana kennt. Aber es ist das, wonach sie sich sehnt. Eines Abends fragt sie ihre Schwester in der Küche: „Wie ist Sex?“
Hana hat in ihrer Jugend den Schwur ewiger Jungfräulichkeit abgelegt und den Namen Mark angenommen. Die Reise nach Mailand wirft Fragen nach der eigenen (weiblichen) Identität auf, Hana muss herausfinden, wer sie „außerhalb dieser Berge“ ist. Ein „Nichts“? Laura Bispuri weicht Hana/Mark in ihrem Debütfilm in keiner Sekunde von der Seite und zeigt eine Transformation, die sich fast stumm vollzieht. Dass man sie dennoch versteht, ist der Schauspielkunst Alba Rohrwachers zu verdanken, ebenso wie Bildern von Vladan Radovic.

Text: Carolin Weidner

Foto: Internationale Filmfestspiele Berlin (Quelle)

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