Berlinale 2016

„Yi Bu Zhi Yao“ von Jiang Wen im Wettbewerb

Yi Bu Zhi Yao

Und also wird von der ersten Sekunde an ein audiovisuelles Sperrfeuer in Richtung Publikum gelegt, auf dass demselben Hören und Sehen alsbald vergehen möge. Die Oberflächen glitzern, funkeln, schillern und schimmern, die Kamera fährt und saust und krant und schwenkt, die Figuren, beständig am Rande der Hysterie beziehungsweise längst schon darüberhinaus, reden ohne Unterbrechung aufeinander ein – und wenn sie nicht reden, dann übernimmt das Voiceover.
Das können die (d.i. Jiang Wen und seine KomplizInnen) auf die Dauer nicht durchhalten, denkt man, hofft es schließlich. Doch, sie können. „Yi Bu Zhi Yao“ bedeutet zwei Stunden Dauerbombardement, an deren Ende manch einer schwer geschlaucht aus dem Kino kriechen mag, wenn er/sie nicht vorher schon k.o. ging.
Worum es geht? Angesiedelt im Shanghai der 1920er Jahre dreht die krachbunte, überhitzte Farce einen alten Stoff durch die Pastiche-Zitate-Mangel – einen, die damaligen Gemüter stark erhitzenden, Mord an einer Prostituierten -, der vielfach adaptiert wurde und unter anderem die Vorlage für den ersten, 1921 entstandenen, chinesischen Spielfilm lieferte. Die damit gegebenen Möglichkeiten meta-filmischer Reflexion reißt Jian Wen zwar immer wieder mal für Sekundenbruchteile an, stürzt sich dann aber doch lieber Vollkaracho in die gleichfalls gegebene Möglichkeit hoffnungslos alberner Windbeutelei.
So sicher wie das Amen in der Kirche gibt es jedes Jahr im Wettbewerb der Berlinale einen Beitrag, dessen prominente Platzierung man sich einfach nicht erklären kann. Diesmal ist es dieser.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Beijing Buyilehu Film & Culture Co., Limited

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Termine: Yi Bu Zhi Bao

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