Berlinale 2017

„Colo“ im Wettbewerb der Berlinale

Der sehr langsam erzählte Abwärtstrend einer Familie

Die Geschichte einer kleinen Familie aus Portugal, die mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu kämpfen hat. Ein arbeitsloser Vater (João Pedro Vaz), eine überarbeitete Mutter (Beatriz Batarda) und eine 17-jährige Tochter Marta (Alice Albergaria Borges). Während die Mutter versucht, das sinkende Familienschiff zusammenzuhalten, leidet der Vater unter seiner Versagerrolle und unternimmt gefährliche Machenschaften. Und mittendrin: Marta zwischen Schule schwänzen, Drogen, selbstverletzendem Verhalten, Partys und einer schwangeren besten Freundin. Als der Strom in der Wohnung abgestellt wird und die Familie ihr Zuhause zu verlieren droht, gerät alles aus den Fugen und die Protagonisten verändern sich – nehmen neue Rollen ein.

Regisseurin Teresa Villaverde zeigt eine verzweifelte und depressive Welt, die an das legendäre portugiesische Musikgenre Fado erinnert. Werke dieses Stils handeln meist von unglücklicher Liebe, sozialen Missständen und Sehnsucht nach vergangenen Zeiten. Der Film zeigt eine andere, düstere Seite vom Urlaubsland Portugal: grauer Himmel, berstende See an tristen Stränden und ärmliche Plattenbau-Vororte. Die endlosen Streifzüge einzelner Protagonisten und das oft zu lange Verharren im Moment erweckt den Eindruck, als zerbräche diese Familie in Zeitlupe. Und so ziehen sich die 136 Minuten des Films in die Länge.

Colo

POR/F 2017, 136 Min., R: Teresa Villaverde, D: Alice Albergaria Borges, João Pedro Vaz, Beatriz Batarda

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