Berlinale 2023

„Mal Viver“: Das Leben ist schlecht

João Canijo ist auf der 73. Berlinale mit einem Experiment vertreten: Er hat einen Film aus zwei Perspektiven gedreht: „Mal Viver“ (Wettbewerb) spiegelt sich in „Viver Mal“ (Encounters). Das Drama um fünf Frauen, denen ein Hotel in Portugal gehört, ist allerdings nicht sonderlich spannend. Unsere Kritik zum Film.

Cleia Almeida, Rita Blanco, Vera Barreto und Madalena Almeida in „Mal Viver“. Foto: Midas Filmes

Fünf Frauen im Dauerstreit: „Mal Viver“ von João Canijo

Dem portugiesischen Regisseur João Canijo ist etwas gelungen, was vor ihm noch keiner geschafft hat: Er ist in diesem Jahr mit gleich zwei Spielfilmen auf der Berlinale vertreten, mit „Mal Viver“ im Wettbewerb und mit „Viver Mal“ in der Sektion Encounters. Beide Filme erzählen von denselben Ereignissen in einem Hotel an der portugiesischen Atlantikküste, einmal aus der Sicht der Hotelbesitzerfamile, und einmal aus der Sicht der Gäste. 

Zum Zeitpunkt, als dieser Text geschrieben wurde, hatte die Autorin nur „Mal Viver“ gesehen, „Viver Mal“ war noch nicht auf der Berlinale gelaufen. Warum das wichtig ist? Nun ja, die Doppelnominierung durch die Filmfestspiele und auch die Konstruktion dieses Film-Doppels sprechen eigentlich dafür, dass es sich hier um eine spannende Filmarbeit handelt.

Mein Eindruck war jedoch ein anderer. Aber erst mal zur Story. Sie spielt in einem großen Hotel an der Nordküste Portugals, das in den 1970er-Jahren erbaut und sicher mal schön war, aber seine besten Tage hinter sich hat. Wie auch der Pool. Und vor allem die Besitzerinnen, Hotelerbinnen, fünf Frauen aus drei Generationen.

Der Schauplatz des Films „Mal Viver“: ein Hotel, das nicht sonderlich gut ausgelastet ist. Foto: Midas Filmes

Viel Betrieb ist in ihrem Hotel nicht, und so können sie ihre Zeit nicht nur mit Schwimmen verbringen, sondern vor allem mit Streitereien und Demütigungen. Die Mütter lieben ihre Töchter nicht, sondern bestenfalls ihren Hund, und die Töchter lieben ihre Mütter nicht. Man quält sich mit Vorwürfen, sucht dann doch wieder die Nähe, quält sich erneut.

„Mal Viver“: Permanente Feindschaft, starke Schauspielerinnen

Auch die Hotelgäste, alles Familien, feinden sich permanent an, doch nur an einer Stelle wird das offen ausgetragen, sonst hört man ihre Stimmen nur leise aus dem Off oder in einer Randszene, und diese Erzählebene wird übertönt von den streitenden Stimmen der fünf Hauptfiguren. So eine Familienauseinandersetzung hat jeder schon erlebt, aber hier ist sie extrem gesteigert. Was wir sehen, ist „Mal Viver“, „Bad Living“( so der englische Titel), ein eindeutig schlechtes Leben. Allerdings mit fünf starken Schauspielerinnen, allen voran Anabela Moreira als Piedada und Madalena Almeida als deren Tochter Salomé.

Dem Hass und den Kränkungen, die sich die fünf Frauen zufügen, 127 Minuten lang zuzusehen, an nur einem Schauplatz, ohne dass sich die Geschichte entscheidend entwickelt, das nervt dann doch irgendwann. Und lohnt sich nicht für den Erkenntnisgewinn, dass das schlechte Leben in so einer Psychoterror-Konstellation eben keinen guten Ausgang nehmen kann. Stefanie Dörre


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