Wir befinden uns im Jahr 2026 n. Chr. Euer ganzer Medienkonsum wird von Streamingdiensten dominiert…euer ganzer Medienkonsum? Vielleicht ja nicht für immer. So bequem und allgegenwärtig es auch ist, immer und überall auf eure Lieblingsfilme, Serien und Musik zugreifen zu können, so sehr bereiten einem die Geschäftspraktiken der ganz großen Firmen vielleicht Bauchschmerzen. Oder ihr wollt statt Jeff Bezos eher lokale Geschäfte unterstützen. Um eurem Streamingblues zu entkommen, müsst ihr vielleicht nicht mal raus aus eurem Kiez – denn tatsächlich gibt es mehr als genug Berliner Alternativen zu Netflix & Co. Wir stellen sie vor, vom Online-Angebot bis zum Kinoabo
Streamingdienste made in Berlin
Streaming ist wahnsinnig komfortabel. Ganz darauf verzichten, seine Film- und Serienhighlights immer auf Abruf zu haben, will keiner, auch wenn man mit dem zusammengewürfelten Angebot oder den ständigen Preiserhöhungen der Streamingriesen durchaus unzufrieden sein kann. Auch sonst geht der Trend zum Lokalen, warum also nicht auch beim Heimkino? Wir stellen euch ein paar Berliner Angebote vor, die euch vielleicht von Netflix und Prime losbekommen. Die ganz großen Blockbuster findet ihr dort eher nicht, dafür aber ausgesuchte Highlights und das Gefühl, dass hier tatsächlich Menschen das Programm zusammenstellen und nicht der allmächtige Algorithmus.
Neue Visionen Plus

Eine Arthouse-Erfolgsstory made in Berlin: der Filmverleih Neue Visionen ist seit 1997 aktiv und hat von „Monsieur Claude und seine Töchter“ bis „In die Sonne schauen“ so ziemlich alles auf die Leinwand gebracht, was das internationale Kunstkino hergibt. Jetzt hat das im Prenzlauer Berg ansässige Unternehmen den Schritt in die Streamingwelt gewagt. Neue Visionen Plus ging im Oktober 2025 an den Start und bietet neben dem Verleihprogramm ausgewählte Klassiker und eher unbekannte Perlen. Dazu gibt es Dokus und eigens produziertes Bonusmaterial wie das Filmmagazin „Kino Kompass“, das Kontext und Hintergründe zu den gezeigten Filmen liefert – das ist die Expertise, die im Algorithmus verloren geht. Neue Visionen Plus könnt ihr 14 Tage gratis testen, auch danach bleibt das Angebot mit monatlich 3,99 € gut bezahlbar.
- Neue Visionen Plus Website
Sooner
Darf es noch etwas künstlerischer sein? Sooner ist ein Streamingangebot, das die Berliner Firma EYZ Media zusammen mit einem französischen Partner seit 2020 betreibt. Auch hier liegt der Fokus auf Arthouse und europäischem Indiekino. Das Besondere ist, dass Sooner Kooperationen mit deutschen Filmhochschulen eingegangen ist und auch Highlights von internationalen Festivals zeigt, die es (noch) nicht in den Verleih geschafft haben. Was bei Sooner läuft, sucht ihr bei Disney+ garantiert vergeblich. Neugierig geworden? Dann probiert Sooner für 7,99 € im Monat aus, eine Mindestlaufzeit gibt es nicht.
Kinoabos: große Leinwand für kleines Geld in Berlin
Popcorn, gemütliche Sitze und eine riesige Leinwand. Kino ist und bleibt einzigartig, daran kann auch das Angebot für zuhause nichts rütteln. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass man für einen Besuch im Lichtspielhaus oft tief in die Tasche greifen muss. Doch es gibt Hoffnung. Viele Berliner Kinos könnt ihr mittlerweile besuchen, ohne dass euere Finanzen darunter leiden. Möglich machen das Abos und Flatrates: ihr zahlt monatlich und dürft dafür so viele Filme auf der Leinwand sehen, wie ihr wollt. Das lohnt sich meist schon, wenn ihr nur zweimal im Monat ins Kino geht. Und genau wie im Streamingkarussell stolpert man hier immer wieder über Geheimtipps, die man sonst vielleicht nie geguckt hätte. Wir stellen euch drei solcher Angebote vor, die ihr als Berliner Alternativen zu Netflix, Prime und den anderen Streamingriesen nutzen könnt.
Yorck Unlimited

In erster Linie zeigen die Kinos der Yorck-Gruppe, die in Berlin verteilt sind, natürlich neue Filme. Doch hier laufen nicht nur die aktuellen Highlights. Kuratierte Reihen bringen euch Klassiker und kommende Filme auf die Leinwand, von der Teeniekomödie aus den 2000ern bis zur Horrorpreview. Für vergleichsweise kleines Geld gibt es diese Leinwanderfahrung dank der Flatrate Yorck Unlimited, mit der ihr unbegrenzt in jedes Yorck-Kino und in fast jede Vorstellung könnt. Von dem Abo profitiert nicht nur ihr: jeder Unlimited-Kunde kann bis zu fünf Freund:innen zum ermäßigten Preis mitbringen. Wenn ihr also für wenig(er) Geld in die Yorck-Kinos wollt, könnt ihr das mit Yorck Unlimited. Und falls es euch mal in den Süden verschlägt: Das Abo gilt auch in den Münchener Kinos der Yorck-Gruppe! Die Mindestlaufzeit ist ein Jahr, monatlich zahlt ihr 19,90 €.
Cineville
Vielleicht habt ihr ja kein Yorck-Kino in der Nähe oder wollt euch lieber ganz und gar dem lokalen Programmkino verschreiben. Dann könnte Cineville was für euch sein: Die Kino-Flatrate ist seit Sommer 2024 in Deutschland erhältlich und bringt euch bundesweit in insgesamt 14 Städten ins Kino, ohne extra Eintritt bezahlen zu müssen. Auch in der Hauptstadt nehmen mehr als ein Dutzend Kinos teil, was Cineville zu einer der besten Berliner Alternativen zu Netflix & Co. macht. Statt zum x-ten Mal die Lieblingsserie anzufangen, weil man beim Streaminganbieter nicht fündig wird, kann man beispielsweise im Hackesche Höfe Kino Klassiker von der Filmrolle schauen oder im Wolf Kino Highlights vor dem offiziellen Kinostart sehen. Im Sommer sind auch die Freiluftkinos Teil von Cineville, das euch (bei einer Mindestlaufzeit von vier Monaten) pro Monat 24 € kostet.
Cinfinity
Noch mal ein Stück kleiner, aber auch interessant: Die Kino-Flatrate Cinfinity konzentriert sich eigentlich auf Kinos im ländlichen Raum, vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Dementsprechend gilt das Abo in Berlin nur für einige wenige Kinos – genauer gesagt für drei: das Moviemento in Kreuzberg, Central am Hackeschen Markt und das Kino Toni in Weißensee. Wenn ihr eines dieser Kinos in der Nähe habt und gerne wieder öfter im Kino als vorm Fernseher sitzen wollt, ist Cinfinity einen Blick wert. Das Abo gibt es für 15,55 € im Monat, eine Mindestlaufzeit gibt es nicht.
Kommt ins Gespräch mit Berliner Filmclubs
Wer nicht vom aktuellen Kinoprogramm abhängig sein möchte oder sich mit anderen über das Geschehen auf der Leinwand austauschen will, für den ist vielleicht ein Filmclub das richtige. Das gemeinsame Schauen bringt euch von der Fernsehcouch ins Kino und die anschließende Diskussion lässt den Film nachwirken, ohne dass der Algorithmus direkt den nächsten abspielt. In den meisten Fällen könnt ihr das Programm auch aktiv mitgestalten. Als Berliner Alternativen zu Netflix & Co. bringen euch Filmclubs nicht nur von der Couch ins Kino, sondern auch ins Gespräch.
Filmclub Berlin im Wolf Kino
Das Wolf Kino in Neukölln ist immer einen Besuch wert, wenn nicht für das sorgfältig ausgewählte Programm in den zwei Sälen, dann für das gemütliche Café im Eingangsbereich. Hier findet auch jeden Dienstag der Filmclub Berlin statt. Die Mitglieder entscheiden zusammen, was geschaut wird, aufbauend auf den Diskussionen vor und nach dem Film. Interessierte können einfach vorbeischauen oder sich online anmelden.
Wolf Kino Weserstr. 59, Neukölln, Filmclub immer Di 20.30 Uhr
Connect Berlin
Für alteingesessene Berliner ist dieser Tipp wahrscheinlich nichts. Connect Berlin richtet sich in erster Linie an Neuankömmlinge und hält seine Treffen vorwiegend auf Englisch ab. Wer aber neu in der Stadt ist oder eine:n zugezogene:n Freund:in begleiten will, kann gerne beim Filmclub vorbeischauen, der sich an jedem dritten Dienstag im Monat trifft. Der Verein informiert auf seiner Webseite kurz vor dem nächsten Termin über den Film, der gemeinsam geschaut wird – im Kino und mit anschließender Diskussion beim Abendessen.
FilmClub im Filmmuseum Potsdam

Wegen der Filmstudios Babelsberg ist auch Potsdam ein traditionsreicher Filmstandort. Das Filmmuseum in der Innenstadt zeigt im angeschlossenen Kino regelmäßig Klassiker und Filme, die man im hektischen Kinobetrieb vielleicht verpasst habt. Für Abenteuerlustige gibt es zudem einmal im Monat den FilmClub, immer am ersten Dienstag um 19.30 Uhr und mit freiem Eintritt. Was geguckt wird, erfahrt ihr erst vor Ort, als Mitglied kann man aber auch das Programm mitbestimmen. Den eigenen Lieblingsfilm auf großer Leinwand schauen und dann mit Freunden darüber diskutieren – da kann auch die größte Streamingbibliothek nicht mithalten.
- Filmmuseum Potsdam Breite Str. 1a, 14467 Potsdam, FilmClub jeden ersten Di im Monat 19.30 Uhr
Berliner Videotheken: ja, die gibt’s noch!
Totgesagte leben länger. Gab es noch bis in die 2000er zahllose Läden, in denen man nach Videokassetten und DVDs stöbern könnte, sind heute fast alle Videotheken in Berlin verschwunden – aber eben nur fast. Auch im Zeitalter des Streamings haben es einige Vertreter dieser bedrohten Spezies geschafft, sich im 21. Jahrhundert als Berliner Alternativen zu Netflix & Co. zu etablieren. Wenn ihr es im Heimkino also wieder ganz oldschool halten wollt oder euch nach Filmen ist, die ihr bei Prime, Disney+ usw. vergeblich sucht, solltet ihr in diesen Videotheken vorbeischauen.
Videodrom

„Deutschlands älteste Programmvideothek“ hat sich das Videodrom in Kreuzberg aufs Türschild geschrieben, seit 1984 gibt es den Laden. Betreiber Karsten Rodemann aka „Graf Haufen“ und seine Frau Christine bedienen eine Kundschaft von Filmfreaks und denen, die es noch werden wollen, mit einem Angebot von über 40.000 Titeln. Da ist so ziemlich alles dabei, was in über 100 Jahren Filmgeschichte produziert wurde. Dass mittlerweile kaum jemand Discs abspielen kann – wann hattet ihr zuletzt einen Laptop mit Laufwerk? – ist auch den Betreibern des Videodroms bewusst. Deswegen könnt ihr euch DVD- und Blu-ray-Player direkt vor Ort ausleihen.
- Videodrom Friesenstr. 11, Kreuzberg, Mo+Fr 15-21 Uhr, Di+Mi+So 15-20 Uhr, Sa 13-22 Uhr
Filmgalerie

Ähnlich traditionsreich geht es in der Filmgalerie in Mitte zu. Mehr als 30.000 Titel hat die Videothek von Betreiber Silvio Neubauer zu bieten, von VHS zur Blu-ray und vom Stummfilmklassiker bis hin zu Trashperlen. Aus dem Laden ist das DVD-Label Filmgalerie 451 hervorgegangen, das neben Dokus auch Filme der deutschen Regielegenden Roland Klick und Christoph Schlingensief vertreibt. Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sich Discs einzeln ausleihen oder sich die Jahresflatrate sichern.
- Filmgalerie Invalidenstr. 148, Mitte, täglich 15-21 Uhr
b-ware! Ladenkino
Für die, die sich nicht zwischen Heimkino und großer Leinwand entscheiden wollen, bietet das b-ware! in Friedrichshain den perfekten Spagat. Das sympathische Ladenkino bietet nämlich neben seinen drei Sälen mit der Videothek „Filmkunst“ seit 2005 auch ein riesiges DVD-Sortiment – nach eigener Angabe mit über 16.000 Filmen. Ihr könnt an den Regalen stöbern, die nach Herkunftsländern der Regisseure sortiert sind, oder lasst euch von der Auslage inspirieren. Dort stellen die Mitarbeiter ihre aktuellen Empfehlungen vor, sammeln die Vorbilder neuer Filme oder gedenken kürzlich verstorbener Filmstars mit einer Auswahl ihrer besten Werke.
- b-ware! Ladenkino Gärtnerstr. 19, Friedrichshain, täglich 11-24 Uhr, Videothek ab 11.30 Uhr
Nicht mehr der Streamingdienst der Herzen: unsere Autorin schreibt von ihrem Breakup mit Spotify. Auch für Musik gibt es Angebote made in Berlin: FluxFM liefert eine Alternative zu Spotify und Co. Sightseeing für Cineasten: Filmfans sollten diese Orte in Berlin kennen. Ein Videothekenbetreiber als Freiheitskämpfer: Unsere Kritik zu „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“. Was ihr mit euren Abos aktuell auf der großen Leinwand schauen solltet, erfahrt ihr in unseren Filmrezensionen.

