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Bert Rebhandl kommentiert: Naive Kunst

Bert Rebhandl

Große Filme werfen ihre Schatten voraus, und in manchen Fällen greife ich vorab zum guten, alten Buch, um mich zu wappnen. Für Ridley Scotts „Exodus: Götter und Könige“, der zu Weihnachten in die Kinos kommen wird und auf den ich aus vielen Gründen besonders gespannt bin, hatte ich eine besonders ambitionierte Leseliste. Ich musste aber schnell feststellen, dass die paar Wochen bis zum Filmstart nicht reichen werden für Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“. So muss es derweilen das Vorwort zu dieser geistreichen Beschwörung des Mythos tun. Im Netz haben die Fans auch schon zu diskutieren begonnen: Wie genau nimmt es der Film mit der Geschichte? Immerhin haben wir es hier mit der Gründungserzählung des jüdischen Volkes zu tun, die allerdings vor allem in der Bibel überliefert ist, ein Dokument mit zweifelhaftem historischem Wert. Wir können aber davon ausgehen, dass Ridley Scott sich eher an Cecil B. DeMille orientieren wird, dem alten Hollywood-Meister, der einst schon das Rote Meer tricktechnisch teilte. Naive Kunst also, allerdings über einen geopolitischen Schlüsselraum. Ich wage schon mal eine Prophezeiung: Es wird Streit geben um diesen „Exodus“.

Text: Bert Rebhandl

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