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Bert Rebhandl kommentiert: Besetzt

Bert Rebhandl

Was lange währt, muss einfach endlich einmal gut werden: Auf diesen Nenner könnte man die Direktorensuche für die DFFB bringen. Mit Ben Gibson wurde ein Mann bestellt, der zuvor schon an der London Film School tätig war. Er gilt als politischer Linker, als gut vernetzt, und als aufgeschlossen für eigenwillige Ästhetiken. Dafür spricht schon, dass er mit Terence Davies gearbeitet hat, einem sensiblen Filmkünstler, der im europäischen Arthouse-Kino eine Weile ein ganz großer Name war, und zu Recht. Die Studierenden sind mit der Entscheidung nicht vollständig glücklich, war zu vernehmen, expliziter und lauter Protest regte sich nun aber nicht mehr. Er wäre auch schwer zu vermitteln gewesen, nachdem sie das Verfahren einmal an den Punkt Null bringen konnten. Die DFFB ist ein Ort für Ideale und Utopien, aber auch einer mit Terminen und Budgets, und irgendwann muss diese besondere Schule wieder arbeiten.
Schlecht moderierte Verfahren wie dieses bringen es mit sich, dass sie irgendwann eher in Erschöpfung enden als mit einem Ergebnis, das alle befriedigt. Insofern muss man dem zuständigen Stadtpolitiker Björn Böhning und dem Kuratorium noch einmal bescheinigen, dass sie gerade noch so die Kurve gekriegt haben. Die DFFB hatte im Lauf der Jahre höchst unterschiedliche Direktorenpersönlichkeiten, und die (anfangs) umstrittensten ließen manchmal eine Menge zu. Man könnte auch sagen: Es ist gut, den Direktorenposten nicht länger zu überschätzen, sondern ihn einfach zu besetzen.

Text: Bert Rebhandl

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