Kino & Stream

Bert Rebhandl kommentiert: Bin ich Brian?

Bert Rebhandl

Vor 30 Jahren, als von einer Globalisierung nur ein paar Pioniere sprachen, drehten sich die meisten Streitereien wegen Göttern und Propheten noch um Jesus. Herbert Achternbusch mit „Das Gespenst“, Martin Scorsese mit „Die letzte Versuchung Christi“, Monty Python mit „Das Leben des Brian“ – Christen waren beleidigt, es gab Demos, Gerichtsverfahren, irgendwann legte sich der Ärger, und längst kann man „Das Gespenst“, der eine Weile verboten war, auf DVD kaufen.
Inzwischen haben die Auseinandersetzungen um Religionen und ihre Bilder wieder eine ganz andere, eine tödliche Qualität erhalten. Woran das liegt, dazu kann man ganze Bibliotheken leerlesen. Aber ein prinzipieller Aspekt spielt dabei immer eine Rolle: Im Islam, einer extrem bildkritischen Religion, ist im Grunde jede Darstellung Gottes und auch des Propheten eine Karikatur, also eine Entstellung. Die leidenschaftlichen und witzigen Religionskritiker bei „Charlie Hebdo“ haben also nicht nur das Recht auf Meinungsfreiheit verteidigt (und dafür ihr Leben verloren), sondern auch die Freiheit, dass wir Menschen uns ein Bild von unseren Vorstellungen machen. Nicht zufällig ist der große zivilisatorische Graben, den zu schließen sich alle vernünftigen Menschen gleich welchen Glaubens redlich bemühen, auch einer, der sich auf das Kino auswirkt. In Saudi-Arabien gibt es keines, in Ägypten ist es in der Krise, in Algerien ebenso. Warum? Kino ist (idealerweise) das Gegenteil von Propaganda.

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