Kino & Stream

Bert Rebhandl kommentiert: Frontmänner

Bert Rebhandl

Als sich neulich ein paar Männer im hintersten Oregon, dem ohnehin schon entlegensten Bundesstaat der USA, in dem Besucherzentrum eines Tierschutzgebietes verschanzten, weil sie Barack Obama im Besonderen und die Regierung im Allgemeinen nicht ab können, da wurde man wieder einmal daran erinnert, wie sehr die Traditionen des Wilden Westens immer noch zur Erbsubstanz der amerikanischen Politik gehören. Man spricht vom „Oregon Standoff“, und das ist keine Variante des berühmten „Mexican Standoffs“, der vor allem im Italo-Western vorkommt, und auf den Quentin Tarantino besonders gern hin inszeniert.
In einem Standoff stehen sich zwei oder manchmal auch mehr Parteien gegenüber, entweder gewinnt eine, häufig aber eben keine, sondern alle schauen am Ende blöd aus. Man verrät nicht zu viel, wenn man darauf hinweist, dass das auch in den beiden großen – oder zumindest großspurigen – Western so ist, mit denen dieses Kinojahr beginnt: Tarantinos „The Hateful 8“ kommt ein paar Wochen nach „The Revenant“ ins Kino, beide spielen im Schnee, der eine ist mehr Kammerspiel, der andere aber grandioses Abenteuer.
Egal, ob es nun aber um große Horizonte oder um eine stickige Holzhütte geht, der Western als Genre erinnert uns daran, dass es mit dem dünnen Firnis der ?Zivilisation nicht sehr weit her ist. Noch ist es zu früh, von einer Renaissance des Genres zu sprechen. Aber die Stimmung ist ?jedenfalls danach.

Text: Bert Rebhandl

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