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Bert Rebhandl kommentiert: Jubelsprudel

Bert Rebhandl

Mit der deutschen Filmförderung ist es derzeit ein bisschen so wie mit den Steuereinnahmen: Man hat das Gefühl, dass es nur so sprudelt. Das Medienboard Berlin-Brandenburg verkündete eben erst stolz, dass im ersten Quartal zehn Millionen Besucher für Filme gezählt wurden, zu denen das Medienboard Berlin-Brandenburg sein Scherflein beigetragen hat. Til Schweiger („Honig im Kopf“) darf sich bestätigt fühlen, dass man Problemfilme im Kostüm eines Süßwarenhändlers nun einmal besser unter die Leute bringt. „Der Nanny“ und „Traumfrauen“ mögen vor der Filmgeschichte geringe Chancen haben, das Publikum liebt sie trotzdem.
Das Problem in dieser Hochstimmung ist nicht, dass viele Leute gern bekömmliche Filme sehen. Zu diskutieren wäre allenfalls die Schieflage, in die eine differenzierte Förderlandschaft zunehmend gerät, wenn auch alles andere an dieser Euphorie gemessen wird.
Ein Teil der deutschen Filmförderung, die 2016 übrigens eine grundlegende Überarbeitung erfahren soll, war ja nicht nur für die Stärkung und Verstärkung von Märkten gedacht, sondern für (sachte) Korrekturen an deren Mechanismen.
In der gegenwärtigen Situation, in der Deutschlands Wirtschaft stark ist, ist mit der Gießkanne fast allen gut gedient. Wichtig wird nun aber, die Filmförderung auch für schwierigere Zeiten plausibel auszurichten. Da tut ein bisschen Jubelreserve sicher ganz gut.

Text: Bert Rebhandl

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